Freitag, 2. Oktober 2026 Nachrichten im Zusammenhang Über die Zeitung
Güldendorf Suche

Politik

Bundeswehr baut eigenes Drohnenregiment bis 2029 auf

Verteidigungsminister Boris Pistorius plant einen selbstständigen Verband für unbemannte Systeme mit bis zu 600 Soldatinnen und Soldaten. Heeresinspekteur Freuding nennt fünf bis sechs Kompanien. Die Grünen kritisieren spätes Handeln, Militärexperten sehen einen revolutionären Wandel der Kriegsführung.

Bundeswehr baut eigenes Drohnenregiment bis 2029 auf
Bundeswehr: Das steckt hinter Pistorius' neuer Drohneneinheit

Die Bundeswehr bekommt eine eigene Drohneneinheit. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) kündigte auf dem Truppenübungsplatz Bergen in Niedersachsen die Aufstellung eines «selbstständigen Verbands für unmanned systems» an. Bis zu 600 Männer und Frauen sollen dem neuen Verband angehören, der nach den Worten von Heeresinspekteur Christian Freuding bis 2029 voll einsatzbereit sein soll.

Der Verband wird aus fünf oder sechs Kompanien mit unterschiedlichen Fähigkeiten bestehen. Eine Kompanie soll Gegner auf kurze Reichweite bekämpfen können. Eine weitere Kompanie ist für den Waffeneinsatz bis über 500 Kilometer vorgesehen, abhängig von den marktverfügbaren technologischen Möglichkeiten. Der neue Drohnenverband soll Teil der 10. Panzerdivision werden, zu der auch die in Litauen an der Nato-Ostgrenze stationierte Panzerbrigade 45 gehört.

Pistorius hatte den energischen Auftritt gesucht: «Wer sich zu Land durchsetzen will, muss eben den Kampf mit unbemannten Systemen beherrschen», sagte er in dieser Woche. Doch die Entscheidung fällt spät. Sara Nanni, sicherheitspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, sagte: «Die Entscheidung kommt tatsächlich spät.» Sie räumte Pistorius' Initiative zwar grundsätzlich einen Bonus ein, verwies aber zugleich auf die offene Frage, wie sich Deutschland genau gegen Russland verteidigen müsse.

Der Krieg in der Ukraine zeigt, wie sehr Drohnen das Schlachtfeld verändern. Lange dominierte die ukrainische Armee mit Innovationskraft und stetig neuen Drohnenentwicklungen. Inzwischen holt die russische Truppe auf, wie tägliche Angriffe von Jet-Drohnen auf zivile Ziele in der Ukraine belegen. Auch die Nato musste ihre Lehren ziehen. Beim Manöver «Hedgehog 2025» stoppten zehn ukrainische Soldaten mit Drohnen ein ganzes Nato-Bataillon.

Die US-amerikanische Heritage Foundation bilanziert in ihrer Analyse «Drone Warfare and Officer Training: Lessons From the War in Ukraine», Ergebnisse, bei denen Nato-Streitkräfte in Übungen unter ukrainischer Beteiligung als unterlegen oder leistungsschwach eingestuft werden, ließen sich durchaus als Indikatoren für Defizite in Doktrin und Fähigkeiten interpretieren.

Die ukrainische Armee hat unter dem Kommandeur Robert Browdi, genannt «Magyar», ein eigenes Drohnenregiment aufgebaut – bekannt als «Magyar's Birds». Sein Credo: «Die Drohnen sind die Pest unseres Jahrhunderts.» Drohnen sind billig und rasch in großer Stückzahl herzustellen. Sie taugen nicht allein als Abwehr-, sondern auch als Angriffswaffe. Wegen der kurzen Entwicklungszeit lässt sich mit den unbemannten Flugobjekten schnell auf neue Entwicklungen auf dem Schlachtfeld reagieren.

Vor allem die Organisation der ukrainischen Armee hat sich verändert. Drohnenspezialisten sind dort direkt in die Fronteinheiten integriert und agieren zum Beispiel im Verbund mit Panzereinheiten. Fachleute sprechen von einer «Drone Line». Die Heritage Foundation erläutert, im Gegensatz zu den Anfangstagen, als einzelne Einheiten improvisierte zivile Drohnen nutzten, bündele das neue ukrainische Drone-Line-Projekt seit Anfang 2025 die taktischen Erkenntnisse und die Logistik von Elite-Drohneneinheiten unter einem Dach.

Der Einsatz von Drohnen wirbelt auch das militärische Machtgefüge durcheinander. Im klassischen Militär bündelt der Generalstab die Informationen und entscheidet, die Einheiten an der Front führen aus. Drohnen verändern diese Hierarchie. So überwachen die Einheiten an der Front einen Streifen von bis zu 15 Kilometern Tiefe mit Aufklärungsdrohnen, das verschafft ihnen einen Informationsvorsprung gegenüber der Führung. Oft müssen die Einheiten an der Basis auch sekundenschnell entscheiden.

Die Heritage Foundation stellt fest, dies hebe hierarchische militärische Kulturen zwar nicht auf, erzeuge jedoch eine Spannung innerhalb dieser Strukturen, indem Informationsvorteile neu verteilt und Autoritätsverhältnisse innerhalb militärischer Organisationen umgestaltet werden. Das Militär steht damit vor einem umfassenden Wandel, der auch die Ausbildung betrifft. Pistorius schickt die Bundeswehr auf einen neuen Weg.

5Aufrufe

Henrik Falkenberg

Autor

Redakteur vom Dienst

Henrik Falkenberg berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.