Samstag, 3. Oktober 2026 Nachrichten im Zusammenhang Über die Zeitung
Güldendorf Suche

Nachrichten

Sterbliche Überreste von Zar Samuil nach Bulgarien überführt

Mehr als tausend Jahre nach seinem Tod sind die mutmaßlichen Überreste von Zar Samuil in Sofia eingetroffen. Die Rückführung aus Griechenland ist Teil eines historischen Abkommens, das auch die Rückgabe von 48 geraubten Objekten vorsieht. Die Zeremonie fällt mitten in den bulgarischen Präsidentschaftswahlkampf.

Sterbliche Überreste von Zar Samuil nach Bulgarien überführt
Leichnam von bulgarischem Zar Samuil kehrt tausend Jahre nach seinem Tod zurück

Die mutmaßlichen sterblichen Überreste von Zar Samuil sind mehr als tausend Jahre nach seinem Tod nach Bulgarien zurückgekehrt. Nach einer Übergabe in der nordgriechischen Stadt Thessaloniki traf der Sarg am Samstag in der Hauptstadt Sofia ein. Dort wurde er, bedeckt mit der bulgarischen Flagge, von einer Ehrengarde durch die Stadt getragen. Zahlreiche Menschen bejubelten das Ereignis, Kampfflugzeuge überflogen die Hauptstadt und es wurden 21 Salutschüsse abgefeuert.

Ministerpräsident Rumen Radev dankte seinem griechischen Amtskollegen Kyriakos Mitsotakis für die «Weisheit und den Mut», die das «historische Abkommen» ermöglicht hätten. Die Vereinbarung stärke «die strategische Partnerschaft, Freundschaft und das Vertrauen zwischen unseren beiden Ländern», sagte Radev. Im Gegenzug erhält Griechenland 48 Objekte zurück, die bulgarische Truppen im Ersten Weltkrieg aus Kirchen und Klöstern in Nordgriechenland geraubt hatten. Für die Zeremonie waren 750 Polizisten im Zentrum von Sofia im Einsatz, und die Bahn bot Freifahrten in die Hauptstadt an. Die Überreste wurden in der Sophienkirche aufgebahrt, der orthodoxen Basilika aus dem sechsten Jahrhundert, die Sofia ihren Namen gab.

Samuil regierte das Bulgarische Reich von 997 bis 1014 und führte mit seinen Brüdern mehrere Feldzüge gegen Byzanz. Er weitete seine Macht über große Teile des Balkans aus und machte die Region um den Prespa- und den Ohridsee, die heute größtenteils zu Nordmazedonien gehört, zum Zentrum seiner Herrschaft. Im Jahr 1014 wurde die bulgarische Armee von Byzanz vernichtend geschlagen. Der Überlieferung zufolge starb Samuil kurz darauf an einem Schock, nachdem er Tausende seiner Soldaten zurückkehren sah, die auf Geheiß des byzantinischen Kaisers Basileios II. geblendet worden waren. Vier Jahre später fiel sein Reich an Byzanz.

Die mutmaßlichen Überreste wurden in den 1960er Jahren von dem griechischen Archäologen Nikolaos Moutsopoulos auf der Insel Agios Achillios im Kleinen Prespasee entdeckt. In einem Grab fand sein Team das etwa 1,60 Meter große Skelett eines Mannes sowie Reste eines mit Goldfäden durchwirkten Seidenstoffs. Für die Zuordnung zu Samuil sprechen der Fundort, die Kleidung, das Alter des Toten und eine alte Knochenverletzung. Zweifelsfrei identifiziert wurden die Überreste jedoch nie. Bulgarien hatte 2007 offiziell Verhandlungen über ihre Rückgabe aufgenommen.

Einige bulgarische Historiker hinterfragen den Tausch, weil anders als bei den Samuil zugeschriebenen Knochen die Herkunft der von Griechenland zurückgeforderten Gegenstände feststeht. Bulgarien ist zudem nicht das einzige Land, das Anspruch auf Samuils Vermächtnis erhebt. In der nordmazedonischen Hauptstadt Skopje steht eine riesige Statue des Herrschers, und viele Menschen in dem Land sehen ihn als «ihren» Zaren an. Die albanischsprachige Zeitung Koha schrieb: «Die Knochen kehren zurück, der Konflikt bleibt! Samuil ist wieder einmal zwischen Skopje und Sofia umstritten.» Eine bilaterale Kommission empfahl 2022, Samuil als Herrscher eines Staates zu bezeichnen, «den die meisten zeitgenössischen Geschichtsschreiber als Bulgarisches Reich ansehen», dessen Machtzentrum im heutigen Nordmazedonien lag. Der Politikwissenschaftler Dimitar Betschew von Carnegie Europe sagte, die Initiative solle auch den bulgarischen Charakter der slawischen Bevölkerung Mazedoniens unterstreichen.

Die Einigung löste in Bulgarien zugleich Streit darüber aus, wer sich den Erfolg zurechnen darf. Die Rückführung fällt mitten in den Präsidentschaftswahlkampf. Amtsinhaberin Iliana Iotowa, die von Radev unterstützt wird, setzt auf patriotische Themen und begann ihren Wahlkampf in Veliki Preslaw, einer früheren Hauptstadt des Ersten Bulgarischen Reiches. Radev, der für Bulgariens Platz in EU und Nato eintritt und zugleich den Dialog mit Moskau befürwortet, wolle damit patriotische Wähler ansprechen, sagte Politologe Betschew. Die Botschaft laute, dass er im Gegensatz zu radikaleren Kräften konkrete Ergebnisse erziele. Samuils sterbliche Überreste sollen laut dem staatlichen Sender BNT in einem weißen Marmorsarkophag in der Sophienkirche ihre letzte Ruhestätte finden.

4Aufrufe

Florian Lorenz

Autor

Sportredakteur

Florian Lorenz berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.