Selenskyj kündigt verstärkte Angriffe auf russische Ölraffinerien an
Nach neuen russischen Angriffen auf die ukrainische Infrastruktur will Kiew die Angriffe auf russische Ölraffinerien ausweiten. Präsident Selenskyj reagiert damit auf eine veränderte russische Strategie, die laut Geheimdienstunterlagen verstärkt zivile Ziele ins Visier nimmt. Russland fordert Ausländer auf, Kiew zu verlassen, während die Lage in der Hauptstadt als extrem dramatisch beschrieben wird.
Die Ukraine will ihre Angriffe auf russische Ölraffinerien verstärken. Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte, Kiew reagiere damit auf eine neue russische Strategie, die darauf abziele, durch Angriffe auf die Infrastruktur Menschen aus Kiew und anderen Städten zu vertreiben. Zivile Ziele sollen jedoch ausdrücklich nicht angegriffen werden.
Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten sollen Geheimdienstunterlagen zeigen, dass Putin für den Winter eine «neue Doktrin» für Angriffe auf ein breiteres Spektrum ziviler Ziele erlassen habe. Demnach könnten unter anderem Straßen, Schulen und Krankenhäuser im Verlauf von Russlands Angriffskrieg stärker ins Visier genommen werden. Selenskyj sagte zudem, er sehe aufgrund der Angriffe auf die Energieinfrastruktur derzeit keine Anzeichen dafür, dass Putin an Friedensgesprächen oder einem Waffenstillstand interessiert sei. Gleichzeitig erklärte er, er sei bereit, Putin bei einem G20-Gipfel in Miami zu treffen. Die USA bemühen sich aktuell um eine Wiederaufnahme der Verhandlungen über ein Ende des Ukraine-Krieges.
Russland hat Ausländer und Mitarbeiter diplomatischer Vertretungen in Kiew erneut aufgefordert, die ukrainische Hauptstadt angesichts bevorstehender neuer Angriffe zu verlassen. Eine vorherige Warnung sei nicht von allen befolgt worden, teilte das Außenministerium in Moskau mit. Damit sei jeder, der bleibe, einer «tödlichen Gefahr» durch «massive russische Vergeltungsschläge» ausgesetzt. Am Freitag hatte Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko die Situation in der Stadt «extrem dramatisch» genannt und davor gewarnt, dass Kiew «in Stücke gerissen» werde. Russland griff in den vergangenen Tagen mehrere Brücken über den Dnipro sowie Energieinfrastruktur an.
Die Auswirkungen des Krieges sind auch jenseits der ukrainischen Grenzen zu spüren. Litauen hat eine amtliche Warnung vor Luftangriffen für die Region Vilnius herausgegeben. Der Flughafen der litauischen Hauptstadt musste am Samstagmorgen zeitweise schließen, nachdem sich eine Drohne aus Belarus genähert haben soll. Das gab das Verteidigungsministerium in Vilnius bekannt. In der Region stationierte Kampfflugzeuge der Nato waren kurzzeitig aufgestiegen, konnten allerdings keine Drohne im Luftraum identifizieren. Auch der Betrieb am Flughafen Vilnius wurde nach etwa 45 Minuten wieder freigegeben.
In der Nacht zum Samstag haben nach Angaben des moldauischen Armee zwei Drohnen und drei Raketen den Luftraum des Landes zwischen Rumänien und der Ukraine verletzt. Sie seien in verschiedenen Regionen des Landes abgestürzt und explodiert. Fragmente wurden in der Nähe von Căușeni, Dubovca in Hîncești, Crocmaz in Ștefan Vodă und zwischen Delacău und Puhăceni in Anenii Noi gefunden. In der Nähe von Crocmaz verursachte eine Explosion in einem Weinberg einen Vegetationsbrand und beschädigte Fenster an einer nahegelegenen landwirtschaftlichen Einrichtung. In dieser Woche explodierten mehrmals Drohnen während russischer Angriffe auf die Ukraine in der Republik Moldau.
Angesichts der zunehmend eskalierenden russischen Angriffe warnt der ehemalige finnische General Pekka Toveri vor dem «härtesten Winter» im bisherigen Kriegsverlauf. Im Gespräch mit dem «Münchner Merkur» erklärt der Ex-General, Putin stehe unter erheblichem innenpolitischem Druck. «Putin weiß, dass er diesen Krieg gewinnen muss», so Toveri. An der Front habe sich die Invasion in einen Stellungskrieg verwandelt. Russlands Bodenangriffe würden weitestgehend ins Leere laufen, zuletzt habe die Ukraine mehr Territorium befreien können, als Russland erobere. «Deshalb wird Putin alles ins Feuer werfen, was er hat», so Toveri. Er erwartet Auswirkungen für die Ukraine, aber auch für ihre Unterstützer in Europa in Form von hybriden Angriffen.
Unterdessen haben Russlands reichste Geschäftsleute in diesem Jahr mehr als ein Prozent der Staatsausgaben über «freiwillige» Kriegsspenden gedeckt. Das geht aus Unterlagen zum russischen Staatshaushalt hervor. Im März hatte Präsident Putin Oligarchen um Spenden gebeten. An dem nicht öffentlichen Treffen mit Putin nahmen führende russische Unternehmer teil. Die meisten von ihnen stehen unter westlichen Sanktionen. Die vollständige Teilnehmerliste wurde nicht veröffentlicht. Putin sagte im September, nach dem Treffen seien «Hunderte Milliarden» Rubel gespendet worden.
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