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Mecklenburg-Vorpommern baut Drohnenabwehr mit 150 Sensoren aus

Mecklenburg-Vorpommern startet ein Pilotprojekt zur flächendeckenden Drohnenüberwachung entlang der Küste. Rund 150 Sensoren sollen Funksignale auffangen und in Echtzeit an Sicherheitsbehörden melden, um Spionage und Sabotage frühzeitig zu erkennen.

Mecklenburg-Vorpommern baut Drohnenabwehr mit 150 Sensoren aus
Gefahr durch Drohnenangriffe: Drohnenüberwachung in MV soll verstärkt werden

Mecklenburg-Vorpommern will verdächtige Drohnenbewegungen künftig großflächig orten und erfassen. Entlang der gesamten Küstenlinie und an strategisch wichtigen Objekten werden dafür rund 150 Sensoren aufgebaut, die Funksignale auffangen. Eine Software wertet die Signale aus und filtert verdächtige Bewegungen heraus. Die Daten sollen in Echtzeit an die Sicherheitsbehörden im Land übermittelt werden, damit diese im Ernstfall eingreifen und Drohnen vom Himmel holen können.

Das Projekt ist zunächst auf zwei Jahre angelegt. Die ersten Sensoren sollen nach Angaben der Beteiligten sehr zeitnah installiert werden, das System soll innerhalb des nächsten halben Jahres den Betrieb aufnehmen. Die Kosten für das Land belaufen sich nach Angaben von Innenminister Christian Pegel auf einen niedrigen siebenstelligen Bereich, also mehr als eine Million Euro. Finanziert werden damit vor allem Wissenschaftlerstellen und der Serverbetrieb. Die Anschaffung der Sensoren sei deutlich günstiger als andere Varianten, betonte Pegel.

Als Projektpartner des Innenministeriums sind das Institut für sichere mobile Kommunikation (ISMK) an der Hochschule Stralsund und die in Berlin ansässige Gesellschaft für sichere mobile Kommunikation (GSMK) beteiligt. Der Server, der die Daten auswertet, wird an der Hochschule Stralsund stehen. Institutsleiter Professor Andreas Noack beschäftigt sich nach eigenen Angaben seit über 20 Jahren mit IT-Sicherheit. Auch GSMK-Geschäftsführer Björn Rupp gilt als langjähriger Experte der Cyberbranche. Rupp bezeichnete die Datenübermittlung in Echtzeit an alle beteiligten Sicherheitsbehörden als bislang einmalig in Deutschland und vermutlich auch in Europa.

Bisher gibt es an einzelnen Standorten zwar schon eine Drohnenüberwachung, sie ist aber auf bestimmte Objekte begrenzt. Sobald eine Spionagedrohne den Sicherheitsbereich verlässt, gibt es kaum noch Möglichkeiten, sie und den sie lenkenden Betreiber zu entdecken. Mit dem neuen Sensorensystem und der Zusammenführung der Daten auf einem Server wird erstmals eine größere Fläche abgedeckt und ein Gesamtlagebild vermittelt. Dieses umfasst allerdings bei weitem noch nicht das gesamte Bundesland, wie Innenminister Pegel betonte.

Ziel der weiträumigen Drohnenaufklärung ist es, kritische Infrastruktur wie Häfen, aber auch Energieanlagen besser zu schützen. Überwacht wird zudem die gesamte Küstenlinie, um verdächtige Bewegungen zu registrieren. Die Sensoren selbst dienen nur der Erkennung, nicht aber dazu, eine Drohne vom Himmel zu holen. Pegel verglich dies mit dem Straßenverkehr: Das umfassende Lagebild setze die Polizei darüber in Kenntnis, an welchen Stellen verstärkt Raser unterwegs seien. «Dann schicken wir dort Blitzer hin», sagte er.

Die Bundesregierung beklagt eine zunehmende Zahl hybrider Angriffe, darunter immer öfter auch mit Drohnen. Bei den Sicherheitsbehörden herrscht Alarmstufe Rot. Immer mehr verdächtige Drohnenbewegungen werden bundesweit erfasst, doch die Sichtungen sind chaotisch, ein einheitliches Lagebild gibt es nicht. Vor allem laufen die Meldungen viel zu spät, um im Ernstfall reagieren zu können. In Mecklenburg-Vorpommern hat die Zahl der meldepflichtigen Drohnensichtungen über sicherheitsrelevanten Objekten zugenommen. Häufig war so viel Zeit vergangen, dass die Vorfälle nicht mehr überprüft werden konnten.

Warum es überhaupt so häufig Drohnenalarm gibt, erklärt Matthias Kaufmann, Mitgesellschafter des in Rostock beheimateten Drohnenproduzenten CIS, mit dem wachsenden Markt: «Es sind mehr Drohnen auf dem Markt und die sind leichter zu bedienen als noch vor einigen Jahren.» Seinen Angaben nach muss es sich nicht in jedem Fall um Spionage handeln. «Es gibt viele Neugierige, die einfach mal nur gucken wollen», sagte Kaufmann. Trotzdem sei es nötig, solche Drohnen schneller aufzuspüren und die Absichten der Nutzer zu erkennen.

Dass die Gefahr keineswegs immer harmlos ist, zeigt ein Vorfall im August: Am Flughafen Leipzig/Halle gab es einen Angriff mit einer Drohne, die mit Sprengstoff ausgerüstet war. Die Bundesregierung machte Russland verantwortlich, Moskau bestreitet das. Jüngst wurde zudem der Fund von Drohnenteilen nahe dem Bundeswehr-Fliegerhorst im niedersächsischen Wunstorf bekannt. Im vergangenen Jahr hatten Sicherheitsorgane in Niedersachsen und Schleswig-Holstein vermehrt Drohnen an Objekten kritischer Infrastruktur entdeckt. Der Verdacht damals: Die Flugobjekte sollen aus dem Ostseeraum eingedrungen sein. Auch die geografische Lage Mecklenburg-Vorpommerns mit seiner langen Küstenlinie im Nordosten dürfte eine Rolle dabei spielen, dass ausgerechnet dieses Bundesland nun mit dem Pilotprojekt vorangeht.

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Florian Lorenz

Autor

Sportredakteur

Florian Lorenz berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.