Flydubai-Copilot soll Terroranschlag auf Flug nach Tel Aviv geplant haben
Die Vereinigten Arabischen Emirate stufen den Angriff im Cockpit einer Passagiermaschine auf dem Weg nach Israel als versuchten Terroranschlag ein. Der festgenommene Co-Pilot war offenbar bereits vorher als Sicherheitsrisiko bekannt.
Der Angriff im Cockpit einer Passagiermaschine auf dem Weg nach Israel war nach Einschätzung der Vereinigten Arabischen Emirate ein versuchter Terroranschlag. Der festgenommene Co-Pilot des Flydubai-Flugs nach Tel Aviv soll geplant haben, das Flugzeug zum Absturz zu bringen. Das teilte der Generalstaatsanwalt der Vereinigten Arabischen Emirate mit. Der Mann habe den Piloten im Cockpit mit einer Axt angegriffen und versucht, die Kontrolle über die Maschine zu übernehmen. Die Ermittlungen zu den Umständen und Motiven dauern an; auch physische und digitale Beweise werden untersucht.
Der Verdächtige war bereits vor dem Vorfall bei einer anderen Fluggesellschaft als Sicherheitsrisiko eingestuft worden. Oman Air hatte den Mann 2024 während seiner Ausbildung zum Co-Piloten suspendiert, nachdem bei ihm extremistisches Material gefunden worden war. Nach Angaben mehrerer US-Sender stellte eine Überwachung durch den omanischen Staat fest, dass er radikale Internetseiten aufrief. Oman Air versetzte ihn daraufhin auf eine Bürostelle. Der Mann habe später gekündigt und die Airline verlassen. Ein Diplomat aus der Region bestätigte die Abberufung aus der Flugausbildung. Das «Wall Street Journal» berichtet unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen, gegen den Mann sei zu einem früheren Zeitpunkt bereits ein Flugverbot verhängt worden. Hintergrund sei die Sorge gewesen, er vertrete radikale ideologische Ansichten.
Zwischen Oman Air und Flydubai liegt offenbar eine weitere Station: Der Mann arbeitete von Juni 2025 bis Januar 2026 für Royal Air Maroc. Bei Flydubai sei er nur acht Monate beschäftigt gewesen, sagte ein israelischer Regierungsvertreter. Flydubai habe ihn eingestellt, ohne ihn beim omanischen Staat überprüfen zu lassen, berichten mehrere mit den Ermittlungen vertraute Personen. Ermittler versuchen derzeit zu klären, wie es dem Mann trotz des Flugverbots gelang, für Flydubai zu fliegen.
Die Maschine war am Mittwoch von Dubai nach Tel Aviv unterwegs, als der Co-Pilot seinen Kollegen angriff. Dem Piloten sei es nach eigenen Angaben trotz schwerer Verletzungen gelungen, die Cockpit-Tür zu öffnen; er erlitt Stichverletzungen. Mehrere Passagiere stürmten daraufhin ins Cockpit und überwältigten den Angreifer. Zwei dienstfreie Piloten an Bord übernahmen die Kontrolle und landeten die Maschine im saudi-arabischen Tabuk. An Bord waren 174 Menschen. Schwer verletzte Passagiere gab es nicht; saudische Behörden teilten mit, zwei Besatzungsmitglieder seien mit nicht näher bezeichneten Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht worden.
Aufmerksamkeit erregen zwei Beiträge in einem LinkedIn-Profil, das eine mit den Ermittlungen vertraute Quelle dem Co-Piloten zuordnet. Sie erschienen am Mittwoch, rund neun Stunden nach dem Angriff; wer sie veröffentlichte oder ob sie vorab terminiert waren, ist offen. Zu sehen sind Cockpit-Aufnahmen einer Boeing 737 Max – dem Typ der betroffenen Maschine – sowie eine am Flughafen Dubai lokalisierte Sequenz, in der auf ein Flugzeug der israelischen El Al gezoomt wird. Nach Informationen des US-Senders CBS endete ein solches Video mit einem Bild des 2022 getöteten Al-Qaida-Anführers Aiman al-Sawahiri. Das Profil ist inzwischen gelöscht.
Der Verdächtige wurde am Donnerstag von Saudi-Arabien in die Vereinigten Arabischen Emirate überstellt und soll dort von israelischen, emiratischen und saudischen Stellen befragt werden. Laut ABC News kooperiert er mit den Behörden und soll angedeutet haben, das Flugzeug in Israel zum Absturz bringen zu wollen. Nach Angaben von CNN und CBS handelt es sich um einen omanischen Staatsbürger, der in den Vereinigten Arabischen Emiraten geboren wurde; sein Vater sei Omani, seine Mutter Syrerin. Oman hat die Staatsangehörigkeit nicht öffentlich bestätigt.
Motiv und Absichten bleiben ungeklärt. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, der Angreifer habe eine «islamistische radikale Indoktrination» durchlaufen und sei gekommen, «um das Flugzeug mit seinen Passagieren zum Absturz zu bringen»; man prüfe, ob er geschickt worden sei. Verteidigungsminister Israel Katz sprach von einem «versuchten dschihadistischen Terroranschlag». US-Präsident Donald Trump äußerte, nach den ihm vorliegenden Informationen gebe es möglicherweise eine Verbindung zum Iran – Netanjahu nannte eine solche Aussage «zu früh». Ein israelischer Sicherheitsvertreter sagte, geprüft werde auch, ob ein Anschlag nach dem Muster des 11. September geplant war und ob der Mann allein handelte.
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