Viele Menschen in Deutschland kommen in diesem Sommer seltener mit Stechmücken in Berührung als gewohnt. Insektenforscher berichten, dass es bislang deutlich weniger Stechmücken gibt als in durchschnittlichen Jahren. Als wichtigsten Grund nennen sie die Trockenheit. Damit bewahrheitet sich die Prognose vom Sommeranfang nicht, in der noch mit einer starken Mückensaison gerechnet worden war.

Stechmücken sind zur Vermehrung auf stehendes Wasser angewiesen. Die Weibchen legen ihre Eier bevorzugt in flachen Gewässern, Pfützen, Regentonnen oder feuchten Gräben ab. Aus den Eiern entwickeln sich Larven, die sich im Wasser häuten und später zu flugfähigen Mücken werden. Bleibt der Regen über Wochen aus, trocknen viele dieser Brutstätten aus. Die Insekten können dann keine neue Generation heranziehen. Genau diese Entwicklung beobachten die Fachleute derzeit: Statt der erwarteten Mückenplage bleiben viele Nächte ruhig, und der sonst übliche Stich an Arm oder Bein bleibt aus.

Die geringere Zahl an Stechmücken hat auch Folgen für die Natur. Mücken sind Nahrung für viele Tiere: Fledermäuse jagen sie in der Dämmerung, Vögel sammeln sie für ihren Nachwuchs, und auch Libellen sowie andere räuberische Insekten ernähren sich von ihnen. Fällt die Mückenpopulation stark aus, kann sich das in der Nahrungskette bemerkbar machen. Zugleich zeigt die Entwicklung, wie empfindlich Insekten auf Witterungsverläufe reagieren. Trockene Phasen können ganze Bestände einbrechen lassen, während feuchte Sommer umgekehrt zu einem Massenauftreten führen können.

Die aktuelle Beobachtung ist auch deshalb bemerkenswert, weil der Saisonstart anders verlief. Zum Beginn des Sommers hatten die Vorhersagen auf eine kräftige Mückenentwicklung hingedeutet. Die anhaltende Trockenheit habe diese Entwicklung jedoch ausgebremst, erklären die Insektenforscher. Entscheidend ist demnach nicht allein die Wärme, sondern vor allem die Verfügbarkeit von Wasser. Stechmücken können hohe Temperaturen nur dann für eine schnelle Vermehrung nutzen, wenn gleichzeitig genügend feuchte Brutplätze vorhanden sind.

Ob die Mücken in den kommenden Wochen noch einmal zulegen können, hängt vor allem vom Wetter ab. Kommt es nach längerer Trockenheit zu heftigen Regenfällen, entstehen schnell neue Wasseransammlungen, in denen Mücken ihre Eier ablegen. Die Insekten entwickeln sich bei warmen Temperaturen binnen weniger Tage bis Wochen. Aus einer einzelnen Regenpfütze können dann zahlreiche neue Stechmücken schlüpfen. Insektenforscher weisen deshalb darauf hin, dass eine Trockenperiode eine Mückenpopulation nicht dauerhaft beseitigt. Sie verzögert die Vermehrung lediglich so lange, bis wieder genügend Wasser vorhanden ist.

Für den Menschen bedeutet die aktuelle Lage zunächst eine spürbare Entlastung. Wer im Garten sitzt, auf dem Balkon schläft oder abends am See spazieren geht, muss derzeit seltener Mückenschutzmittel benutzen als in manchen Vorjahren. Auch in den Wohnungen bleiben Fenster und Terrassentüren häufiger ohne surrende Gäste. Ganz entspannt sollten Urlauber und Allergiker die Lage aber nicht betrachten: Stechmücken können sich nach einer Trockenphase schnell erholen, und insbesondere nach einem Sommergewitter kann die Zahl der Tiere innerhalb kurzer Zeit wieder ansteigen. Die Forscher beobachten die Entwicklung deshalb weiterhin aufmerksam. Ob sich der Trend fortsetzt oder die Mücken doch noch aufholen, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.