Tausende Migranten kehren aus der spanischen Exklave Ceuta nach Marokko zurück, nachdem sie erst am Donnerstag die Grenze überwunden hatten. Nach einem Bericht der spanischen Zeitung «El País» steigt die Zahl der Rückkehrer stündlich. Als Hauptgrund nennen die Menschen die völlige Überfüllung der nordafrikanischen Exklave: Es gebe keine Unterkünfte, und die Geschäfte würden nur Einheimische bedienen. Einige Rückkehrer berichteten zudem, sie seien von Bewohnern der Exklave mit Steinen beworfen oder mit Waffen bedroht worden.

Zuvor waren binnen 24 Stunden nach offiziellen spanischen Angaben rund 49.000 Migranten auf dem See- und Landweg von Marokko aus nach Ceuta gelangt. Mindestens 18 Menschen wurden tot aus dem Meer geborgen. Bei dem Versuch, die Grenze zu überqueren, kamen am Donnerstag mehrere Menschen ums Leben. Angesichts des jüngsten Ansturms hat die Regierung in Madrid das Militär zur Unterstützung der örtlichen Polizei entsandt, um die Lage unter Kontrolle zu bringen.

Ceuta liegt an der nordafrikanischen Küste und ist eine der beiden spanischen Exklaven auf dem afrikanischen Kontinent. Immer wieder versuchen Migranten, von Marokko aus über die Grenze in die Europäische Union zu gelangen. Die Stimmung in der Exklave gilt nach dem Massenansturm als äußerst angespannt.

Unter den Migranten befinden sich nach Informationen der spanischen Zeitung «El Mundo» auch zahlreiche Minderjährige, die teilweise ohne ihre Eltern mit Bussen und Sammeltaxis nach Ceuta gekommen sein sollen. Der 13-jährige Mohamed aus Tétouan erzählte einem Reporter von «El Mundo»: «Meine Eltern wissen nicht, dass ich hier bin. Ich bin mit vielen Freunden gekommen.» Auf die Frage, ob er nach Marokko zurückkehren wolle, antwortete er: «Es lebe Ceuta, mein Freund! Ich möchte Spanier sein wie du. In meinem Land gibt es nur Hunger.»

Angesichts der Ankunft Zehntausender Migranten in Ceuta hat Frankreich seine Grenzkontrollen zu Spanien verstärkt. Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez erklärte, er habe Anweisungen erteilt, «die Kontrollen an der spanischen Grenze unverzüglich zu verstärken». Dem Sender RTL sagte Nuñez, die Kontrollen an der französisch-spanischen Grenze seien in den vergangenen Monaten bereits verstärkt worden, und eine mobile Einheit sei permanent im Einsatz. Man werde Maßnahmen ergreifen, wenn es Bewegungen in Richtung französisches Territorium gebe. «Auf jeden Fall werden wir die Grenzkontrollen offensichtlich verstärken», kündigte der Minister an. Am Freitag wollte er erneut mit seinem spanischen Kollegen sprechen.

Auch in der zweiten spanischen Nordafrika-Exklave Melilla haben Hunderte Migranten die Grenze überwunden. In der Nacht zu Freitag war es auch dort zu massenhaften Grenzübertritten gekommen. Nach Angaben des Präsidenten der autonomen Stadt, Juan José Imbroda, seien etwa 400 Menschen über zwei Grenzübergänge von Marokko aus auf dem Landweg sowie über einen Damm im Süden der Stadt in das Gebiet gelangt. Die Sicherheitskräfte hätten die Lage unter Kontrolle gehalten, sagte Imbroda dem Radiosender Cope.

Die Europäische Union hat Spanien angesichts des Andrangs Unterstützung angeboten. Migrationskommissar Magnus Brunner habe die Bereitschaft der EU zum Ausdruck gebracht, Spanien unter anderem über die Grenzagentur Frontex verstärkt zu unterstützen, um die Lage unter Kontrolle zu bringen, teilte er auf der Plattform X mit. Man stehe zudem in Kontakt mit den marokkanischen Behörden, um sicherzustellen, dass alle notwendigen Anstrengungen unternommen werden, um diese gefährlichen Reisen zu verhindern.