Proteste und Störaktion bei Axel Springer Award für Peter Thiel
Der umstrittene Tech-Milliardär Peter Thiel hat in Berlin den Axel Springer Award erhalten. Während der Feier kam es zu einer Störaktion auf der Bühne, vor dem Verlagshaus demonstrierten über 200 Menschen gegen die Ehrung.
Der umstrittene Tech-Milliardär Peter Thiel hat am Donnerstagabend in Berlin den Axel Springer Award erhalten. Die Ehrung des Mitgründers des Softwareunternehmens Palantir und bekannten Investors löste noch am selben Abend Proteste aus. Vor dem Axel-Springer-Gebäude versammelten sich nach Polizeiangaben mehr als 200 Menschen zu einer Kundgebung gegen Thiel. Zu der Demonstration hatten linke Gruppen aufgerufen. Ein Banner mit der Aufschrift «Thiel Shall Not Pass» war zu sehen, eine Anspielung auf den Satz «You shall not pass» aus «Der Herr der Ringe». Die Kundgebung verlief nach Angaben einer Polizeisprecherin zunächst störungsfrei.
Auch während der Preisverleihung kam es zu einer kurzen Störaktion. Nach Angaben von Springer betrat ein Mitarbeiter eines Dienstleisters mit einem Transparent die Bühne, auf dem «They know that we know that they lie» stand. Der Mann habe die Bühne freiwillig wieder verlassen, verletzt worden sei niemand. Bereits im Vorfeld hatte der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) die Verleihung des Preises an den Tech-Milliardär kritisiert.
In seiner Dankesrede teilte Thiel gegen Teile der Medien aus. Er frage sich, warum so viel davon «zu einer Art linken Hassfabrik verkommen» sei, sagte er. Die Medienlandschaft sei «sehr, sehr einseitig» und «bei weitem nicht so frei, wie wir es uns wünschen würden». Zugleich lobte der Milliardär Springer-Chef Mathias Döpfner und die US-Journalistin Bari Weiss vom Sender CBS, die ebenfalls bei der Preisverleihung sprach. Ohne Menschen wie sie wäre die Lage «wirklich sehr, sehr schlecht», sagte Thiel. Döpfner, Weiss und den Menschen bei Axel Springer sprach er Anerkennung für ihren «Mut» aus und bezeichnete sie als «Gegenstimmen» in dieser Medienlandschaft.
Thiel äußerte sich auch zum Wahlerfolg der Linken bei der jüngsten Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus. Er könne verstehen, warum Menschen die Partei wählten. Es gebe ein «sehr reales Problem»: Wohnen sei zu teuer und zu stark reguliert. Die Linke habe dafür allerdings keine guten Antworten. Mit Mietpreisbindungen werde man Berlin wahrscheinlich «in ein Elendsviertel verwandeln», sagte Thiel.
Der aus Deutschland stammende Thiel ist IT-Investor und Mitgründer des Softwareunternehmens Palantir. Er ist bekannt für seine libertären und rechtskonservativen Positionen, seine Nähe zu US-Präsident Donald Trump und seine Kritik an liberalen Demokratien. In letzter Zeit hatten Berichte über Thiels apokalyptische Weltsicht auch seine religiöse Ideologie in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Die Frage, ob sich Sicherheitsbehörden auf die umstrittenen Datenanalyse-Produkte von Palantir verlassen sollten, hat in Deutschland Debatten ausgelöst.
Thiel ist der zehnte Preisträger des Axel Springer Awards. Mit der nicht dotierten Auszeichnung werden Persönlichkeiten geehrt, die laut Springer in herausragender Weise Märkte verändern. Springer würdige Thiel für sein Unternehmertum, seine Risikobereitschaft und sein unkonventionelles Denken, sagte Vorstandschef Döpfner in seiner Rede. In der Vergangenheit ausgezeichnet wurden etwa Facebook-Chef Mark Zuckerberg, Amazon-Gründer Jeff Bezos, Tesla-Geschäftsführer Elon Musk sowie der Erfinder des World Wide Web, Tim Berners-Lee.
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