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Karl Bürger pflegt seit 30 Jahren den Bahnhof Walpertskirchen

Der 70-jährige Karl Bürger kümmert sich ehrenamtlich um den Haltepunkt in Walpertskirchen. Er verhinderte einst die Stilllegung und sorgt täglich für Sauberkeit und Ordnung.

Karl Bürger pflegt seit 30 Jahren den Bahnhof Walpertskirchen
Walpertskirchen: Ehrenamtlicher kümmert sich seit 30 Jahren um Bahnhof

Karl Bürger aus Walpertskirchen in Bayern kümmert sich seit drei Jahrzehnten ehrenamtlich um den örtlichen Bahnhof. Der 70-jährige Rentner ist weder bei der Deutschen Bahn noch bei der Gemeinde angestellt, sondern arbeitet nach eigenen Worten «aus Überzeugung». Täglich, meist in den frühen Morgenstunden, kommt er zum Haltepunkt, um Müll zu sammeln, kleinere Reparaturen durchzuführen und die etwa 100 Quadratmeter große Grünfläche alle drei bis vier Wochen zu mähen.

Der Einsatz des Rentners hat sichtbare Spuren hinterlassen: Kein Schmutz, keine überfüllten Mülleimer, keine Graffiti. Stattdessen laden gepflegte Bänke zum Verweilen ein. Sechs Blumenbeete, die Bürger aus alten hölzernen Eisenbahnschwellen gebaut hat, werden von seiner Frau bepflanzt. Die Blumen spendet unter anderem eine örtliche Gärtnerei. «Wenn ich das nicht machen würde, was glaubst du, wie das ausschauen würde», sagt Bürger mit Blick auf die Hinterlassenschaften von Passanten, die Pappbecher, Zigarettenschachteln oder Fast-Food-Verpackungen liegen lassen.

Doch Bürger hat nicht nur den Rasen gemäht und Unrat beseitigt. Ohne ihn gäbe es den eingleisigen Haltepunkt heute womöglich gar nicht mehr. Die Bahn wollte die Station vor Jahrzehnten stilllegen. 1989 gründete Bürger deshalb den örtlichen Pro-Bahn-Arbeitskreis. «Das war die Initialzündung», erinnert er sich. Mehr als zehn Jahre lang kämpfte er für die Zuganbindung seines Heimatortes, was vor allem Durchhaltekraft und viel «Schriftverkehr, Schriftverkehr, Schriftverkehr» erforderte. Anfangs sei er für seinen Einsatz ausgelacht worden. Heute ist die Stilllegung vom Tisch. «Das Wichtigste war, dass ich den Haltepunkt über die Zeit gerettet habe», sagt er. Für ihn ist klar: «Ein Dorf ohne Bahnhof is a oida Hut.»

Die Regionalbahn 40 braucht vom Münchner Ostbahnhof in die rund 2.000-Einwohner-Gemeinde etwa eine halbe Stunde. Die Züge verkehren mehrmals täglich, vor allem am Morgen und zum Feierabend. Für sein Engagement wurde Bürger bereits mit der Bürgermedaille der Gemeinde ausgezeichnet. Bürgermeister Josef Renner (CSU) lobt dessen «außerordentliches Engagement» und betont, man habe Bürger unwahrscheinlich viel zu verdanken. Auch eine Bahnsprecherin teilt mit, dass man sein Engagement sehr schätze und ihm für seinen langjährigen Einsatz außerordentlich dankbar sei.

Neben der Pflege der Anlage betreut Bürger ein kleines Museum auf der Wiese am Bahnhof, das der Gemeinde gehört. Besucher können dort auf Anfrage eine historische Schrankenwärterbude und drei Eisenbahnsignale bestaunen. Bürger bezeichnet sich selbst als «Museumsdirektor, -wärter, -führer und -hausl in Personalunion». Wenn ein Zug einfährt, grüßt und winkt er freundlich. Zudem hilft er Fahrgästen, die Probleme mit dem Ticketautomaten haben, und nennt sich scherzhaft «Fahrkartenautomat-Erklärer».

Was aus dem Bahnhof wird, wenn er einmal nicht mehr kann, mag sich Bürger nicht ausmalen. «Wer macht es dann? Keiner», sagt er. Bis dahin will er sich um den Haltepunkt in Walpertskirchen kümmern, solange es ihm möglich ist.

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Greta Kaufmann

Autor

Gesellschaftsreporterin

Greta Kaufmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.