Amthor-Strandkorb: Verkäufer nennt Kritik «völlig übertrieben»
Der Lieferant des Strandkorbs von Staatsminister Philipp Amthor im Kanzleramt hält die Aufregung für überzogen. Das Möbelstück soll nun nach Mecklenburg-Vorpommern zurückgebracht werden.
Der Verkäufer, der den Strandkorb von Staatsminister Philipp Amthor (CDU) ins Bundeskanzleramt geliefert hat, hat die öffentliche Diskussion um das maritime Möbelstück als «völlig übertrieben» bezeichnet. Die Fakten seien bislang zu kurz gekommen, sagte Dirk Mund, freiberuflicher Vertriebler, der Deutschen Presse-Agentur. Amthor habe den Korb selbst bezahlt und keinen Sonderpreis erhalten.
«Philipp war es wichtig, dass es ein ganz einfaches Modell ist – ein Stück Heimat, so wie er am Strand steht», sagte Mund. Dementsprechend habe Amthor «wirklich das Einfachste und Schlichteste gekriegt». Das Modell heiße «Original Heringsdorfer» und werde auf der Hersteller-Website für rund 1.600 Euro zuzüglich Versandkosten geführt. Mund betonte, dass Amthor den Korb aus eigener Tasche bezahlt habe.
Die Diskussion war aufgekommen, nachdem in der zweiten Staffel der ZDF-Doku-Serie «Inside CDU» eine Szene gezeigt wurde, in der Mund den Strandkorb gemeinsam mit Amthor im Bundeskanzleramt anliefert. In den sozialen Netzwerken hatte dies teils Spott und kritische Reaktionen ausgelöst. Ein Regierungssprecher erklärte in der Bundespressekonferenz, Amthor nehme die an ihn gerichtete Kritik sehr ernst und habe deshalb entschieden, den Strandkorb abtransportieren zu lassen. Das Möbelstück soll zurück nach Mecklenburg-Vorpommern gebracht werden.
Mund, der selbst CDU-Mitglied ist, bezeichnete Amthor als «sehr umtriebig», «volksnah» und «extrem fleißig». Amthor halte auch Kontakt in seinen Wahlkreis und sei «selbst bei Scheunenfesten und Feuerwehrveranstaltungen mit dabei». Bei der Bundestagswahl 2025 war Amthor seinem AfD-Kontrahenten Enrico Komning unterlegen, zog aber über die Landesliste in den Bundestag ein.
Der Strandkorb war ursprünglich für das Digitalministerium in Berlin gedacht, wo Amthor Staatssekretär war. Nach seiner Ernennung zum Staatsminister für die Bund-Länder-Beziehungen im Kanzleramt sei der Korb dorthin geliefert worden. Mund sagte, es sei sein zweites Mal im Bundeskanzleramt gewesen; zuvor habe er als Tourist an einer Führung teilgenommen. Amthor kenne die Strandkorbmanufaktur und habe sie besucht, als sie sich noch in Heringsdorf befand. Den Korb habe er telefonisch geordert.
Der Hersteller des Strandkorbs ist die Manufaktur Korbwerk, die laut Mund die älteste Strandkorbmanufaktur Deutschlands und der Welt ist. Von ihr stammte auch der sechs Meter lange Riesenstrandkorb für den G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm, auf dem die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und andere Staats- und Regierungschefs Platz genommen hatten. Allerdings hatte das Unternehmen in der Vergangenheit wiederholt wirtschaftliche Schwierigkeiten und stellte mehrfach Insolvenzanträge. Im Sommer 2024 wurde bekannt, dass die Tischlerei Pohl aus Züssow im Landkreis Vorpommern-Greifswald die Firma übernimmt. Danach war die Produktion von Heringsdorf ins wenige Kilometer entfernte Ückeritz umgezogen.
Strandkörbe beschrieb Mund als Rückzugsorte, die Privatsphäre ermöglichen. «Es gibt auch Strandkörbe, die als Arbeitsort ausgebaut worden sind», sagte er. Ob Amthor in seinem Strandkorb gearbeitet habe, könne er nicht sagen. «Ich glaube, dass in Berlin ziemlich viel Hektik ist im Augenblick», so Mund.
7
