Samstag, 24. Oktober 2026 Nachrichten im Zusammenhang Über die Zeitung
Güldendorf Suche

Wirtschaft

VW-Tarifstreit: Verhandlungen beginnen am 24. November in Emden

Volkswagen und die IG Metall starten Ende November die Verhandlungen über den Haustarifvertrag. Der Konzern will Kosten senken und zusätzlich rund 12.000 Stellen streichen, die Gewerkschaft droht mit Eskalation.

VW-Tarifstreit: Verhandlungen beginnen am 24. November in Emden
Kriselnder Autobauer: VW-Tarifstreit: Das ist der Fahrplan für die nächsten Wochen

Volkswagen steht vor einem tiefgreifenden Umbau, und im Ringen um härtere Sparmaßnahmen droht ein schwieriger Winter. Der Autobauer will in großem Stil Stellen streichen und Milliarden einsparen, die IG Metall bereitet sich dagegen auf harte Auseinandersetzungen vor. Die Verhandlungen über einen der größten Firmentarifverträge in Deutschland beginnen in einem Monat.

Der erste Verhandlungstermin ist für den 24. November in Emden angesetzt, die Fortsetzung für den 15. Dezember in Zwickau. Beide Auftaktorte haben sich Autobauer und Gewerkschaft verständigt. Sowohl in Emden als auch in Zwickau stehen VW-Werke mit offener Zukunft. Niedersachsens IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger sagte: „Tarifverhandlungen gehören dorthin, wo die Zukunft der Standorte auf dem Spiel steht.“ Eine Nähe zur Vorstandsetage im Wolfsburger Markenhochhaus sei dafür der falsche Ort. Deshalb soll nach Ansicht der Gewerkschaft auch in Hannover verhandelt werden.

Vom Haustarifvertrag sind rund 130.000 Beschäftigte an den Standorten Braunschweig, Chemnitz, Dresden, Emden, Hannover, Kassel, Salzgitter, Wolfsburg und Zwickau betroffen. Die Volkswagen AG umfasst die Kernmarke, Volkswagen Nutzfahrzeuge, die Komponentensparte und Konzernstellen. Das Unternehmen will die Kosten so schnell wie möglich senken, um im internationalen Wettbewerb robuster zu werden. Die Maßnahme ist ein Element des Zukunftsplans 2030, der den gesamten Konzern wieder auf Kurs bringen soll.

Zusätzlich zum bereits vereinbarten Abbau von 35.000 Stellen bis Ende des Jahrzehnts sollen bis 2030 nochmals rund 12.000 Stellen bei der Volkswagen AG wegfallen. Über zusätzliche sozialverträgliche Personalinstrumente, darunter Transfergesellschaften, will der Konzern ebenfalls verhandeln. Nach eigenen Angaben will VW die Beschäftigungssicherung bis Ende 2030 einhalten. Das Unternehmen hat zudem zehn Tarifverträge ganz oder in Teilen gekündigt, die unter anderem Regelungen zu Arbeitszeit, Urlaubstagen und Zulagen enthalten. Was konkret geändert werden soll, will VW nach dpa-Informationen erst in den Verhandlungen präsentieren. Personalvorstand Arne Meiswinkel erklärte: „Wir müssen über wettbewerbsfähige Arbeitskosten sowie über Themen wie Veränderungsbereitschaft und einen flexibleren Personaleinsatz sprechen.“

Die IG Metall hatte bereits vor der Kündigung der Tarifverträge fünf Prozent mehr Geld für die VW-Beschäftigten gefordert und dies unter anderem mit der Inflation begründet. Die Beschäftigten hätten in den vergangenen Jahren bereits erhebliche Einschnitte getragen. Die letzte Gehaltserhöhung gab es im Mai 2024. Gröger betonte, man hätte den Manteltarifvertrag von sich aus nicht angetastet: „Nun liegt er offen auf dem Tisch.“ Betriebsräte, Vertrauensleute und Beschäftigte wüssten genau, wo sich das Tarifwerk verbessern ließe, die einschlägigen Paragrafen seien bereits zusammengestellt. Genannt wurden etwa eine Verlängerung der Altersteilzeit und die Frage, wie weit die Beschäftigungssicherung fortgeschrieben werden könne. Ein Konzept für die Zukunft Volkswagens will die Gewerkschaft „zu gegebener Zeit“ vorlegen.

Wie lange die Gespräche dauern werden, lässt sich nicht vorhersagen. Es liegen viele komplizierte und folgenreiche Themen auf dem Tisch, und vermutlich können die Verhandler die Zukunft der bedrohten Werke nicht ausklammern. Aus Unternehmenskreisen heißt es, alles hänge mit allem zusammen. Manche bei VW hoffen noch auf ein schnelles Ergebnis, stellen sich aber auch auf Warnstreiks ein. Ein Vergleich mit 2024 zeigt, wie zäh solche Runden verlaufen können: Damals wurde um schwierige Themen gerungen, der Kompromiss sah den Abbau Zehntausender Stellen vor, Bonuszahlungen und Zulagen wurden gekürzt und Entgelterhöhungen auf Eis gelegt. Im Gegenzug verzichtete VW auf betriebsbedingte Kündigungen und Werkschließungen und sagte Investitionen und neue Produkte für deutsche Standorte zu. Dafür waren damals fünf Verhandlungsrunden und Warnstreiks nötig.

Auch ein möglicher Kompromiss wäre nicht das Ende. Das Ergebnis müssen die Mitglieder der IG Metall abnicken, wie es heißt: „Sie haben das letzte Wort.“ Die Friedenspflicht endet am 31. Dezember. Gröger beschreibt die Stimmung in der Belegschaft als Siedepunkt erreicht: „Alles deutet auf eine Auseinandersetzung hin, die größer werden könnte als alles, was dieser Konzern jemals erlebt hat.“ Man bereite die Eskalation vor, nicht weil man sie wolle, sondern weil man müsse. „Wir suchen den Konflikt nicht, aber wir sind vorbereitet.“

7Aufrufe

Greta Kaufmann

Autor

Gesellschaftsreporterin

Greta Kaufmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.