Insolvenzgeld für Galeria-Beschäftigte bewilligt
Die Bundesagentur für Arbeit hat Insolvenzgeld für die 9.650 Beschäftigten von Galeria bewilligt. Der Geschäftsbetrieb kann vorerst weiterlaufen, doch die Zukunft des Warenhauskonzerns bleibt ungewiss.
Die Bundesagentur für Arbeit hat das Insolvenzgeld für die Beschäftigten der Warenhauskette Galeria bewilligt. Damit ist die Bezahlung der 9.650 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Warenhäusern für die Monate Oktober, November und Dezember gesichert. Das Geld soll über eine Bank vorfinanziert werden, um eine schnelle Auszahlung zu ermöglichen. Der Geschäftsbetrieb in den 83 Filialen kann vorerst weiterlaufen.
Die Entscheidung war bis zuletzt offen. Insolvenzexperten hatten die Chancen auf Insolvenzgeld zunächst skeptisch beurteilt, da die Zahlungsprobleme aus der Insolvenz des Jahres 2024 noch nicht vollständig abgewickelt sind. Maßgeblich für die Bewilligung ist jedoch, dass der aktuelle Insolvenzantrag vom 2. Oktober von der Galeria S.à r.l. & Co. KG stammt – einem neuen Rechtsträger, auf den das operative Geschäft vor zwei Jahren übertragen wurde. Formaljuristisch handelt es sich damit um die erste Insolvenz dieser Gesellschaft, auch wenn es seit 2020 der vierte Insolvenzantrag im Umfeld von Galeria ist.
Die Bundesagentur für Arbeit stellt einen Anspruch auf Insolvenzgeld fest, wenn alle rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Eine Zustimmung zur Vorfinanzierung wird in der Regel nur erteilt, wenn ein erheblicher Teil der Arbeitsplätze erhalten bleibt – etwa durch ein tragfähiges Fortführungskonzept oder ernsthafte Kaufinteressenten. Im Fall von Galeria scheint diese Bedingung erfüllt. Der vorläufige Insolvenzverwalter Frank Kebekus erklärte, die Zustimmung sei «eine wichtige Voraussetzung, um das operative Geschäft für die kommenden Monate zu sichern». Zudem habe man «umfassende Vereinbarungen» mit Lieferanten, Finanzierungspartnern und anderen Beteiligten erzielt, «damit Galeria für das wichtige Weihnachtsgeschäft operativ stabil aufgestellt ist».
Neben den 9.650 Beschäftigten der Warenhäuser könnten auch die rund 1.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Lebensmittelabteilungen und Restaurants Insolvenzgeld erhalten. Für sie wurden separate Insolvenzanträge gestellt, deren Bewilligung Beobachter erwarten. Insgesamt beschäftigt Galeria derzeit 11.250 Menschen. Zuletzt hatten die Beschäftigten Ende September Geld erhalten. Galeria zahlt nach eigenen Angaben monatlich knapp 25 Millionen Euro an Löhnen und Gehältern. Das Insolvenzgeld wird über eine Umlage der Arbeitgeber finanziert.
Trotz der bewilligten Zahlungen bleibt die zentrale Frage offen: Hat Deutschlands letzter Warenhauskonzern eine Zukunft? Handelsexperte Boris Hedde vom IFH Köln sieht die Bewilligung als gute Nachricht für die Mitarbeitenden, nicht aber für die Innenstädte. «Gerade vor dem Hintergrund des ursprünglichen Ziels, den Warenkonzern zum Erhalt innerstädtischer Standorte zu stützen, stellt sich die Frage: Sind wiederholte und kostenintensive Stützungsaktionen tatsächlich eine nachhaltige Therapie oder letztlich nur ein weiteres Pflaster?», sagte Hedde. Auch Jörg Funder von der Hochschule Worms äußert sich skeptisch: «Was genau soll die Zukunft sein? Gleiches Geschäftsmodell, nur kleiner?» Zukunftsfähige Warenhausmodelle erforderten neue Lösungen, vielleicht nur an Standorten, an denen das Warenhaus auch eine Nahversorgerrolle wahrnehmen könne.
Der vorläufige Insolvenzverwalter Kebekus prüft nun, ob die Gründe für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens vorliegen und ob die Verfahrenskosten durch das Vermögen der Schuldnerin gedeckt sind. Bis zur Entscheidung des Gerichts dauert es in der Regel bis zu drei Monate. Offen ist, ob und welche Standorte schließen. Im Juli hatte das Unternehmen angekündigt, 33 Warenhäuser auf den Prüfstand zu stellen und gegebenenfalls zu schließen. Die Entscheidung stand zuletzt noch aus. Mit der Situation vertraute Personen können sich vorstellen, dass wesentlich mehr Standorte geschlossen werden könnten. Entscheidend für die Zukunft von Galeria wird sein, ob es Kebekus gelingt, einen neuen Investor zu finden.
Für Kundinnen und Kunden läuft der Betrieb in den 83 Filialen vorerst weiter, allerdings mit Einschränkungen. Gutscheine werden derzeit nicht mehr angenommen. Einige Bereiche, etwa bei Bekleidung, sind mit Flatterband abgesperrt. «Diese Marke steht vorübergehend nicht zum Verkauf», ist auf Schildern zu lesen. Die betroffene Ware gehört noch den Lieferanten, Galeria bezahlt sie erst nach dem Verkauf. Wegen der Insolvenz wollen die Lieferanten verhindern, dass ihre Artikel verkauft werden, ohne dass sie dafür Geld erhalten.
Die aktuelle Krise ist nicht die erste für Galeria. Schon im Frühjahr war das Geld knapp geworden. Vermieter klagten über ausbleibende Mietzahlungen. Die Geschäftsführung verwies auf Liquiditätsschwankungen. Erst im Juni erhielt die Warenhauskette eine neue Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro. Die von der US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers bereitgestellte Kreditlinie war an einen Sanierungsplan geknüpft, der bereits weitere Schließungen vorsah.
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