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Ex-Wirecard-Chef Braun beklagt sechs Jahre Untersuchungshaft

Markus Braun, früherer Vorstandschef von Wirecard, äußert sich erstmals aus der Untersuchungshaft in der JVA Stadelheim. Er bereut seinen Umgang mit Jan Marsalek, kritisiert die Dauer des Verfahrens und fordert kürzere Prozesse.

Ex-Wirecard-Chef Braun beklagt sechs Jahre Untersuchungshaft
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Der frühere Wirecard-Vorstandschef Markus Braun hat sich erstmals seit seiner Inhaftierung ausführlich zu seiner Lage geäußert. Seit mehr als sechs Jahren sitzt der Manager in Untersuchungshaft, nun steht sein Prozess vor dem Abschluss. In einem Interview sprach Braun über seinen früheren Weggefährten Jan Marsalek, seine Kritik an der Justiz und die Zeit nach einer möglichen Haftentlassung.

Braun bereut nach eigenen Angaben seinen Umgang mit Marsalek, dem ehemaligen Vertriebsvorstand des Zahlungsdienstleisters. Marsalek ist seit dem Zusammenbruch von Wirecard im Jahr 2020 auf der Flucht und gilt als zentrale Figur in dem Bilanzskandal. Braun sitzt unterdessen in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim in München. Aus der Dauer der Untersuchungshaft leitet er nach Einschätzung der Berichterstattung wenig Hoffnung auf einen Freispruch ab. Zugleich plädiert er für kürzere Verfahren und beklagt die lange Haftzeit vor einem Urteil.

Der Fall Wirecard gilt als einer der größten Finanzskandale der deutschen Nachkriegsgeschichte. Das Unternehmen aus Aschheim bei München war zeitweise im Dax notiert und musste im Juni 2020 Insolvenz anmelden, nachdem Unregelmäßigkeiten in der Bilanz bekannt geworden waren. Braun war als Vorstandschef eine der prägenden Figuren des Konzerns und wurde nach dem Zusammenbruch festgenommen. Das Verfahren gegen ihn zieht sich nun schon über Jahre hinweg.

In dem Interview beschreibt Braun, dass er sich verändert habe. «Ich bin nicht mehr der, der ich war», wird er zitiert. Diese Aussage deutet auf eine persönliche Distanzierung von seiner früheren Rolle hin. Weitere Einzelheiten zu seinen Plänen nach einer möglichen Haftentlassung sind bislang nicht bekannt. Der Prozess steht kurz vor dem Abschluss, ein Urteil wird mit Spannung erwartet.

Die Kritik an der Dauer des Verfahrens ist nicht neu. In komplexen Wirtschaftsstrafverfahren dauern Ermittlungen und Hauptverhandlungen häufig mehrere Jahre. Braun argumentiert, dass lange Untersuchungshaft und langwierige Prozesse für die Betroffenen eine erhebliche Belastung darstellen. Ob seine Kritik an der Justiz auf Resonanz stößt, bleibt abzuwarten. Für die Anleger und Gläubiger von Wirecard ist der Ausgang des Verfahrens von großer Bedeutung, da es um die Aufklärung eines milliardenschweren Schadens geht.

Der Fall wirft auch ein Schlaglicht auf die Kontrolle von Finanzunternehmen in Deutschland. Die Aufsichtsbehörden waren über Jahre hinweg nicht in der Lage, die Unregelmäßigkeiten bei Wirecard zu erkennen. Der Untersuchungsausschuss des Bundestages hat sich bereits mit den Vorgängen befasst. Braun selbst hat in der Vergangenheit betont, keine Kenntnis von den Manipulationen gehabt zu haben. Mit seinem nun geäußerten Bedauern über den Umgang mit Marsalek rückt er jedoch von einer reinen Opferrolle ab.

Jan Marsalek bleibt weiterhin flüchtig. Nach ihm wird international gefahndet. Seine Rolle im Wirecard-Skandal ist bis heute nicht vollständig geklärt. Braun hingegen sitzt seit mehr als sechs Jahren in Haft, länger als viele vergleichbare Fälle. Das bevorstehende Urteil wird zeigen, ob das Gericht die Vorwürfe gegen ihn bestätigt oder ob es zu einem Freispruch kommt. Unabhängig vom Ausgang dürfte der Fall Wirecard die Debatte über Wirtschaftsprüfung, Finanzaufsicht und die Dauer von Strafverfahren in Deutschland weiter prägen.

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Greta Kaufmann

Autor

Gesellschaftsreporterin

Greta Kaufmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.