Bundesregierung plant nationale Gasreserve – Kosten für Haushalte und Unternehmen
Ein Gesetzentwurf sieht eine staatliche Gasreserve für Krisenfälle vor und beendet die bisherige Speicherstrategie. Verbraucher und Betriebe müssen mit steigenden Kosten rechnen.
Die Bundesregierung will mit einer neuen nationalen Gasreserve die Energieversorgung für Krisenfälle absichern. Ein entsprechender Gesetzentwurf liegt vor und markiert eine Abkehr von der bisherigen Speicherstrategie. Künftig soll der Staat selbst Gasvorräte anlegen, statt sich allein auf die kommerziellen Speicherbetreiber zu verlassen. Die Kosten für den Aufbau und die Bewirtschaftung der Reserve sollen über Umlagen auf Unternehmen und private Haushalte abgewälzt werden.
Nach den Plänen des Bundeswirtschaftsministeriums soll die Reserve in unterirdischen Speichern in Deutschland und möglicherweise im europäischen Ausland gelagert werden. Die Finanzierung erfolgt über eine zweckgebundene Abgabe, die auf den Gasverbrauch erhoben wird. Für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden könnte die Belastung nach ersten Schätzungen im niedrigen dreistelligen Eurobereich pro Jahr liegen. Die genaue Höhe hängt vom Füllstand der Reserve und den Beschaffungskosten ab.
Die Industrie warnt vor zusätzlichen Belastungen. Bereits jetzt kämpfen viele Unternehmen mit hohen Energiekosten und internationaler Konkurrenz. Eine weitere Umlage könnte die Produktion in Deutschland weiter verteuern und Abwanderungen beschleunigen. Der Gesetzentwurf sieht zwar Ausnahmen für besonders energieintensive Branchen vor, doch die Details sind noch offen. Kritiker bemängeln, dass die Reserve teuer und ineffizient sei, weil sie nur in seltenen Krisenfällen genutzt werde und die Gaskäufe selbst preistreibend wirken könnten.
Die bisherige Strategie setzte auf eine kommerzielle Speicherung durch Marktakteure. Diese hatten in der Vergangenheit jedoch nicht immer ausreichende Vorräte angelegt, wie die Energiekrise 2022 zeigte. Damals waren die Speicherstände vor dem Winter besorgniserregend niedrig, und der Staat musste mit Notmaßnahmen eingreifen. Die neue Reserve soll dieses Risiko verringern, indem der Bund selbst Gas einkauft und einlagert. Die Kosten dafür trägt letztlich der Verbraucher.
Der Gesetzentwurf befindet sich noch im Abstimmungsprozess zwischen den Ministerien. Eine Verabschiedung im Kabinett wird für das kommende Quartal erwartet. Danach muss der Bundestag zustimmen. Ob die Umlage bereits 2025 oder erst 2026 erhoben wird, ist unklar. Die Bundesnetzagentur soll die Reserve verwalten und die Ausschreibungen für die Gasmengen durchführen. Erste Ausschreibungen könnten noch in diesem Jahr starten.
Verbraucherschützer fordern, die Kosten transparent auszuweisen und sozial zu staffeln. Einkommensschwache Haushalte dürften nicht überproportional belastet werden. Die Regierung argumentiert, dass die Reserve der Versorgungssicherheit dient und im Krisenfall Preisschocks verhindern kann. Ob die Maßnahme tatsächlich günstiger ist als die bisherige Speicherstrategie, bleibt umstritten. Eine endgültige Kostenfolgenabschätzung will das Ministerium erst nach der Ausschreibung der ersten Gasmengen vorlegen.
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