Biontech schließt Werk in Tübingen trotz Millionenangebot
Biontech schließt sein Werk in Tübingen, obwohl ein Investorenkonsortium bis zu 20 Millionen Euro geboten haben soll. Das berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf Verhandlungsdokumente. Der Verkauf scheiterte an einer geforderten Cash-Reserve von über 200 Millionen Euro und Zweifeln an der Tragfähigkeit des Konzepts.
Das Biotechnologieunternehmen Biontech schließt seinen Standort in Tübingen, obwohl ein Investorenkonsortium nach Informationen des Handelsblatts bis zu 20 Millionen Euro für die Übernahme geboten hatte. Wie die Zeitung in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht unter Berufung auf Dokumente zu den monatelangen Verhandlungen meldet, scheiterten die Gespräche letztlich an den Bedingungen des Angebots und an Zweifeln von Biontech an der Tragfähigkeit des vorgelegten Konzepts.
Die Verhandlungen mit dem Konsortium um den Münchner Investor Peter Löw hatten dem Bericht zufolge im Mai begonnen. Neben Löw gehörten eine deutsche Immobiliengruppe, eine Investmentgesellschaft und das US-Biotech-Unternehmen Alloy Therapeutics zu der Gruppe. Das Konsortium gründete eigens die Human Health Technologies AG, die das frühere Curevac-Werk übernehmen sollte. Vorgesehen war die Übernahme von 500 Mitarbeitern. In den Gesprächen ging es bereits konkret um Patentrechte sowie um die Zusage an Biontech, dass Alloy nicht in die Onkologie einsteigen würde, also nicht in die Erforschung und Behandlung von Krebserkrankungen.
Das finale Angebot belief sich nach Informationen der Zeitung auf bis zu 20 Millionen Euro. Allerdings forderte das Konsortium, dass eine Cash-Reserve von über 200 Millionen Euro im Unternehmen verbleibt. Insidern zufolge hätte Biontech für den Verkauf des Werks damit draufzahlen müssen. Zudem hielt Biontech das Konzept des Konsortiums für nicht tragfähig. Der potenzielle Käufer hätte die Firma aus Sicht von Biontech nicht in eine gesicherte Zukunft führen können. Löw und Biontech wollten sich auf Anfrage des Handelsblatts zu den Details der Verhandlungen nicht äußern.
Biontech hatte den ersten zugelassenen Impfstoff gegen das Coronavirus entwickelt und war in der Folge zu einem der wertvollsten Unternehmen in Deutschland aufgestiegen. Auch Curevac hatte an der Entwicklung von Impfstoffen auf Basis der mRNA-Technologie gearbeitet, schaffte es trotz staatlicher Förderung aber nicht, einen Impfstoff zur Zulassung zu bringen. Im Jahr 2025 übernahm Biontech die Tübinger Firma Curevac für rund eine Milliarde Euro. Biontech hat sich der Erforschung neuer Medikamente gegen Krebs verschrieben, ebenfalls auf mRNA-Basis, und setzt dabei auch auf das von Curevac in dieser Technologie erworbene Know-how.
Anfang Mai gab Biontech bekannt, die Produktionsstandorte in Idar-Oberstein, Marburg und Singapur sowie an den Standorten von Curevac schließen zu wollen, wovon insgesamt bis zu rund 1860 Stellen betroffen sein könnten. Das Unternehmen erklärte damals, den Verkauf von Teilen oder der vollständigen Standorte auszuloten. Der nun bekannt gewordene gescheiterte Verkauf des Tübinger Werks wirft ein Schlaglicht auf die Schwierigkeiten, für die aufgegebenen Standorte tragfähige Lösungen zu finden.
8
