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Politikwissenschaftlerin warnt vor digitalem Totalitarismus der Tech-Konzerne

Asma Mhalla vergleicht die Macht der großen Technologieunternehmen mit einer dystopischen Cyberpunk-Welt. Im Interview erklärt sie, warum sie dies nicht als Faschismus bezeichnet – sondern als etwas, das in gewisser Weise schlimmer ist.

Politikwissenschaftlerin warnt vor digitalem Totalitarismus der Tech-Konzerne
Digitaler Totalitarismus: „Wir sind nicht machtlos gegen die Tech-Giganten“

Die Politikwissenschaftlerin Asma Mhalla warnt vor einer neuen Form der Herrschaft, die sie als digitalen Totalitarismus bezeichnet. In einem Interview anlässlich der Veröffentlichung ihres Sachbuchs zieht sie Parallelen zur dystopischen Welt des Cyberpunk und erklärt, warum die Kontrolle durch Tech-Giganten nicht mit klassischem Faschismus gleichzusetzen ist – sondern in mancher Hinsicht noch darüber hinausgeht.

Mhalla zufolge kontrollieren die großen Technologiekonzerne nahezu alle Lebensbereiche. Ihre Macht erstreckt sich von der Kommunikation über die Wirtschaft bis hin zu politischen Prozessen. Diese umfassende Kontrolle sei mit herkömmlichen politischen Kategorien nur schwer zu fassen. Der Begriff des Totalitarismus, wie er für das 20. Jahrhundert geprägt wurde, greife zu kurz, weil die Mechanismen der digitalen Herrschaft anders funktionierten als die Unterdrückungsapparate früherer Diktaturen.

Die Wissenschaftlerin betont, dass die gegenwärtige Situation nicht einfach mit dem Faschismus verglichen werden könne. Der digitale Totalitarismus wirke subtiler, sei aber zugleich tiefer in den Alltag eingedrungen. Nutzerinnen und Nutzer seien nicht nur Objekte der Überwachung, sondern nähmen aktiv an Systemen teil, die ihre Daten abschöpfen und Verhalten lenken. Diese freiwillige Teilnahme mache die Macht der Konzerne besonders schwer angreifbar.

In ihrem Buch argumentiert Mhalla, dass die Gesellschaft den Tech-Giganten nicht machtlos gegenübersteht. Sie ruft dazu auf, die politischen und rechtlichen Instrumente zu nutzen, die demokratischen Staaten zur Verfügung stehen. Dazu gehörten Regulierung, Wettbewerbsrecht und eine öffentliche Debatte über die Grenzen privater Plattformmacht. Entscheidend sei, dass die Politik die Kontrolle über die digitalen Infrastrukturen nicht länger den Unternehmen überlasse.

Die Autorin sieht in der Cyberpunk-Literatur ein passendes Bild für die aktuelle Lage: Eine Welt, in der Konzerne mehr Macht besitzen als Staaten und in der technologische Systeme das tägliche Leben durchdringen. Anders als in den dystopischen Erzählungen sei die Entwicklung jedoch nicht unausweichlich. Mhalla plädiert dafür, die demokratische Gestaltungsfähigkeit gegenüber den Konzernen zurückzugewinnen und die digitale Sphäre stärker als öffentliche Angelegenheit zu begreifen.

Mit ihrer Analyse reiht sich Mhalla in eine wachsende Debatte über die Macht von Google, Meta, Amazon und anderen Plattformkonzernen ein. In Europa wird derzeit über die Durchsetzung des Digital Markets Act und des Digital Services Act gestritten, die die Marktmacht großer Anbieter begrenzen sollen. Die Frage, wie weit staatliche Regulierung reichen kann, ohne Innovation zu ersticken, bleibt dabei umstritten. Mhalla geht es vor allem um das Prinzip: Die Gesellschaft dürfe die Definitionsmacht über technische Systeme nicht allein den Unternehmen überlassen.

Das Interview macht deutlich, dass die Debatte über digitale Souveränität längst nicht mehr nur eine Frage der Technik ist. Sie berührt Grundfragen demokratischer Ordnung: Wer bestimmt, welche Daten erhoben werden, wer kontrolliert die Algorithmen, und wer haftet, wenn Systeme gesellschaftliche Folgen haben? Mhallas Antwort ist klar: Nicht die Konzerne allein, sondern die demokratisch legitimierte Politik muss diese Fragen beantworten. Dass sie dabei auf die Handlungsfähigkeit der Bürgerinnen und Bürger setzt, unterscheidet ihre Position von einer rein kulturpessimistischen Diagnose.

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Florian Lorenz

Autor

Sportredakteur

Florian Lorenz berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.