Papst Leo XIV. hat Lungenkrebs: Vatikan bestätigt Diagnose nach Operation
Bei Papst Leo XIV. wurde nach einer Operation an der Lunge ein Adenokarzinom diagnostiziert. Der untere Lappen der rechten Lunge wurde entfernt. Der Vatikan hat alle Papstaudienzen bis Mitte nächster Woche abgesagt, die Lateinamerikareise Anfang November ist bislang nicht gestrichen.
Papst Leo XIV. ist an Lungenkrebs erkrankt. Wie der Vatikan mitteilte, diagnostizierten die behandelnden Ärzte nach einer Operation an der Lunge ein Lungenadenokarzinom, die häufigste Form von Lungenkrebs. Bei dem Eingriff wurde dem Papst der untere Lappen der rechten Lunge entfernt, nachdem bei einer Routineuntersuchung ein Knoten entdeckt worden war.
Der Vatikan hatte zunächst keine Angaben zur Größe des Tumors, zu möglichen weiteren Knoten im entfernten Lungenlappen oder zu einem Befall der Lymphknoten gemacht. Nach Einschätzung von Lungenmedizinern wären alle drei Befunde mit einer schlechteren Prognose verbunden. Entscheidend ist nun die molekulare Analyse des Tumorgewebes, deren Ergebnis innerhalb von ein bis drei Tagen vorliegen kann. Untersucht wird dabei nach sogenannten Treibermutationen, also bestimmten Erbgutveränderungen in den Krebszellen, die deren unkontrolliertes Wachstum antreiben. Solche Mutationen lassen sich bei einem Teil der Patienten mit gezielten Medikamenten blockieren, die oft wirksamer und besser verträglich sind als eine klassische Chemotherapie. Liegt keine behandelbare Treibermutation vor, kommen je nach Situation eine Chemotherapie, eine Immuntherapie oder eine Kombination infrage.
Vor der Operation hatte Papst Leo selbst von einem Knoten in einem «sehr frühen Stadium» gesprochen. Ob bereits gezielt nach Metastasen in anderen Organen gesucht wurde, wurde zunächst nicht bekannt. Sogenannte Metastasen sind Ableger des Tumors, die sich etwa in Nebennieren, Gehirn, Leber oder Knochen ansiedeln können. Bei einer einzelnen Metastase sind nach Angaben von Fachärzten noch weitere Behandlungen denkbar. Bei mehreren Metastasen gilt eine Heilung dagegen als sehr unwahrscheinlich; dann geht es in der Regel darum, das Leben zu verlängern und Beschwerden zu lindern.
Der Verlust eines Lungenlappens ist für Patienten nach Einschätzung von Lungenmedizinern nicht dramatisch. Er gehe mit einem Leistungsverlust der Lunge von etwa zehn bis zwanzig Prozent einher, der im Alltag oft kaum auffalle. War die Lungenfunktion des Papstes vor dem Eingriff normal, dürfte er durch den Verlust des Lungenlappens nicht beeinträchtigt sein. Im besten Fall gilt der Papst nach der Operation bereits als geheilt, und es steht nur noch eine Nachsorge an.
Lungenkrebs verursacht anfangs häufig keine Beschwerden, da Betroffene einen Knoten in der Lunge nicht spüren. Anhaltender oder veränderter Husten, Atemnot und Brustschmerzen gehören zu den Symptomen, bei denen ärztlicher Rat empfohlen wird. In Deutschland sterben jährlich rund 45.000 Menschen an Lungenkrebs. Seit April gibt es hierzulande ein Niedrigdosis-CT zur Früherkennung für starke und ehemals starke Raucher zwischen 50 und 75 Jahren, dessen Kosten die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen. Bei Papst Leo wurde der Knoten im Rahmen einer Routinekontrolle entdeckt. Der Papst gilt nicht als Raucher und war bislang gesundheitlich fit; er hält sich mit Tennis, Schwimmen und Gymnastik in Form. Nach Angaben des Deutschen Krebsinformationszentrums haben neun von zehn Männern mit Lungenkrebs die Krankheit vermutlich durch das Rauchen erworben, doch auch Menschen mit gesundem Lebensstil können erkranken.
Eine erbliche Veranlagung spielt beim Lungenkrebs nach derzeitigem Stand der Wissenschaft keine allgemeine Rolle. Der ältere Bruder von Papst Leo ist am Multiplen Myelom erkrankt, auch seine Eltern starben in den 1990er Jahren nach Krebserkrankungen.
Mit der Bekanntgabe des Lungenknotens vor Zehntausenden Gläubigen auf dem Petersplatz am Sonntag zeigte Leo eine Offenheit im Umgang mit gesundheitlichen Problemen, die für Päpste nicht selbstverständlich ist. Normalerweise überlässt der Papst Gesundheitsfragen seinen Sprechern oder Ärzten; Leos Vorgänger Franziskus handhabte dies so. Früher hielt der Vatikan den Gesundheitszustand der Päpste streng unter Verschluss, solange die Leiden nicht offensichtlich waren.
Bis Mitte der kommenden Woche hat der Vatikan sämtliche Papstaudienzen abgesagt. Anfang November steht für Leo eigentlich eine fast zweiwöchige Reise nach Lateinamerika mit Besuchen in Uruguay, Argentinien und Peru an. Zuletzt deutete er an, die Reise anzutreten. Abgesagt ist sie bislang nicht, möglicherweise könnte jedoch das Programm angepasst werden.
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