Umfrage: Vertrauen in Selenskyj steigt nach US-Druck deutlich
Eine Umfrage des Kyiv International Institute of Sociology zeigt einen Anstieg des Vertrauens in den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj um 14 Prozentpunkte, nachdem die USA Druck auf Kiew ausgeübt haben. Gleichzeitig lehnt eine klare Mehrheit der Ukrainer Zugeständnisse an Moskau ab.
Das Vertrauen der Ukrainer in Präsident Wolodymyr Selenskyj ist einer neuen Umfrage zufolge deutlich gestiegen, nachdem die USA ihren Druck auf Kiew erhöht haben. Wie das Kyiv International Institute of Sociology (KIIS) am Dienstag mitteilte, vertrauten 57 Prozent der Befragten, die zwischen dem 10. und 16. Oktober interviewt wurden, dem Staatschef. In der Gruppe, die zu Beginn des Erhebungszeitraums am 8. und 9. Oktober befragt wurde, waren es nur 43 Prozent. Das entspricht einem Plus von 14 Prozentpunkten.
Zwischen den beiden Befragungszeiträumen lag die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, mit Russland eine Vereinbarung über russischen Diesel getroffen zu haben. Zudem forderte Trump die Ukraine auf, ihre Angriffe auf russische Ölraffinerien einzustellen. Kiew verfolgt mit diesen Attacken das Ziel, Moskaus Möglichkeiten zur Finanzierung des Krieges zu schwächen. Das Institut schränkte jedoch ein, dass methodische Faktoren den Anstieg teilweise erklären könnten. Ob das gestiegene Vertrauen anhalte, sei noch nicht absehbar.
Über den gesamten Befragungszeitraum vom 8. bis 16. Oktober vertrauten 54 Prozent der Befragten Selenskyj, 41 Prozent misstrauten ihm. Eine klare Mehrheit der Ukrainer lehnt Zugeständnisse an Moskau ab: 73 Prozent sprachen sich gegen ein nachgiebigeres Vorgehen Kiews in Verhandlungen mit Russland aus, 20 Prozent befürworteten ein solches Vorgehen.
Unterdessen forderte Trump die Ukraine auf, einem Abkommen zur Beilegung des Krieges mit Russland zuzustimmen. «Die Ukraine muss diesen Krieg beenden wollen», sagte Trump vor Journalisten im Oval Office. Russland sei im Vorteil, da das Land wie «eine große Maschine» unaufhaltsam vorrücke und bereits «ein sehr großes Stück Land» eingenommen habe. Zudem bat Trump den russischen Präsidenten Wladimir Putin nach eigenen Angaben um die Freilassung des seit Jahren inhaftierten US-Bürgers Stephen Hubbard. Der Lehrer im Ruhestand war im Oktober 2024 in Moskau wegen angeblichen «Söldnertums» für die Ukraine zu einer Haftstrafe von fast sieben Jahren verurteilt worden. Trump sagte, er habe «ausführlich» mit Putin über den Fall gesprochen, und deutete an, es könne sich in Kürze etwas bewegen.
Im Ringen um Frieden in der Ukraine reist US-Unterhändler Steve Witkoff nach einem Treffen mit Selenskyj und europäischen Spitzenpolitikern in Oslo weiter nach Russland. «Steve Witkoff wird morgen nach Sankt Petersburg fliegen, um dort Gespräche mit der russischen Führung zu führen», sagte der norwegische Regierungschef Jonas Gahr Støre, der mit dem finnischen Präsidenten Alexander Stubb Gastgeber der Gespräche in Norwegen war. Dabei sollen laut Støre «die Vorschläge, die europäische und amerikanische Kollegen erarbeitet haben», vorgelegt werden. Bei den Gesprächen in Oslo hätten die Parteien etwa Sicherheitsgarantien für die Ukraine, territoriale Fragen, Sanktionen sowie die europäische Sicherheit nach dem Krieg diskutiert. Zugeschaltet waren neben US-Unterhändler Jared Kushner nach Angaben norwegischer Medien auch Vertreter mehrerer europäischer Länder, darunter Deutschland sowie der EU und der Nato. «Wir sind bereit für Verhandlungen», betonte Selenskyj. «Wir verlieren den Krieg nicht, aber wir verlieren Menschenleben. Und weil Russland angreift, verlieren wir Menschenleben und Zeit.»
Selenskyj dankte den USA dafür, dass die Weitergabe von Geheimdienstinformationen und Frühwarnungen vor russischen Angriffen mit ballistischen Raketen wiederaufgenommen worden sei. Auf einer Pressekonferenz in Oslo sagte er, die Ukraine verliere den Krieg gegen Russland nicht. Kiew beklage jedoch den Verlust von Menschenleben und sei entschlossen, Wege zum Frieden zu finden. Er bekräftigte die Hoffnung der Ukraine, bei einem trilateralen Spitzentreffen Schlüsselfragen für ein Ende des Krieges zu erörtern.
Unterdessen kündigte die Nato nach Drohnenangriffen auf Handelsschiffe vor den Küsten Rumäniens und Bulgariens die Entsendung «zusätzlicher Mittel» in die Schwarzmeerregion an. Dazu gehörten «Unterstützung für Überwachung, Aufklärung und forensische Analyse», erklärte Nato-Sprecherin Allison Hart nach einem Treffen der Nato-Botschafter der Mitgliedstaaten in Brüssel. Bulgarien will sich unterdessen nicht an weiteren Hilfen für die Ukraine beteiligen. Die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Pina Picierno, kündigte einen Hungerstreik an, um internationale Aufmerksamkeit auf die Situation in Oleschky zu lenken, einer Stadt im besetzten Teil der ukrainischen Region Cherson. Sie forderte einen sofortigen humanitären Waffenstillstand, die Einfuhr von Lebensmitteln und Medikamenten sowie die Möglichkeit der sicheren Evakuierung von Zivilisten.
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