Ukrainische Regierung weist Trumps Forderung nach neuem Präsidenten zurück
Nach US-Präsident Trumps Angriff auf Wolodymyr Selenskyj stellt sich die ukrainische Regierung hinter ihren Präsidenten. Außenminister Sybiha betont das Selbstbestimmungsrecht der Ukrainer. Gleichzeitig setzt Russland die Angriffe auf Kiew fort, und in Washington wächst die Sorge um die Geheimdienstkooperation.
Die ukrainische Regierung hat die Forderung von US-Präsident Donald Trump nach einem neuen Präsidenten entschieden zurückgewiesen. Außenminister Andrij Sybiha erklärte am Abend auf der Plattform X, Wolodymyr Selenskyj genieße die Unterstützung des ukrainischen Volkes, und dieses habe das Recht, selbst zu entscheiden. «Äußerungen aus dem Ausland bestätigen nur, dass er seine Aufgabe gut erfüllt. Er verdient Unterstützung», schrieb Sybiha.
Trump hatte am Samstag behauptet, Selenskyj habe vielfach die Gelegenheit gehabt, den Ukraine-Krieg zu beenden, und sich dagegen entschieden. «Ich glaube, es ist an der Zeit, dass die Ukraine einen neuen Präsidenten bekommt», sagte Trump und fügte später hinzu: «Ich denke, er sollte Wahlen abhalten.» Der US-Präsident lobte zugleich Russland für dessen angebliche Bereitschaft, den Krieg beenden zu wollen. «Präsident Putin will dringend ein Abkommen haben», so Trump. Der Krieg war jedoch nicht von der Ukraine, sondern von Russland begonnen worden, das vor mehr als viereinhalb Jahren in das Nachbarland einmarschierte. Kremlchef Wladimir Putin hat wiederholt Angebote für einen bedingungslosen Waffenstillstand abgelehnt; auch spätere diplomatische Initiativen blieben ohne Ergebnis.
Während des politischen Schlagabtauschs setzte Russland seine Angriffe auf die Ukraine unvermindert fort. Am Abend wurde die Hauptstadt Kiew erneut beschossen. Bürgermeister Vitali Klitschko teilte auf Telegram mit, es gebe bereits acht Verletzte, darunter eine 15-Jährige. Die Angriffe unterstreichen die anhaltende Bedrohungslage, während die diplomatischen Spannungen zwischen Kiew und Washington zunehmen.
In Kiew reagieren Berater von Selenskyj geschockt auf die Signale aus Washington. Ein enger Vertrauter sagte dem «Bild»-Reporter Paul Ronzheimer, man habe zwar damit gerechnet, dass die Ukraine während des Wahlkampfs für die US-Zwischenwahlen im November wieder in den Fokus rücken würde, doch mit einer solchen Forderung habe man nicht gerechnet. Die größte Sorge sei, dass Trump tatsächlich die Geheimdienstkooperation mit der Ukraine beende. Diese Zusammenarbeit gilt als entscheidend für die militärische Aufklärung und Verteidigungsfähigkeit des Landes.
Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Europaparlament, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), kritisierte Trump scharf. Wenn er Selenskyj zum Rücktritt auffordere, stelle er sich «unmissverständlich auf die Seite des Mörders», schrieb sie auf X. «Über die Führung der Ukraine entscheiden alleine die Ukrainerinnen und Ukrainer in freien Wahlen, nicht das Weiße Haus und schon gar nicht der Kreml.»
Ein Wechsel an der Staatsspitze ist derzeit verfassungsrechtlich ausgeschlossen, da Wahlen in Kriegszeiten nicht abgehalten werden können. Selenskyj hatte sich mehrfach zu direkten Gesprächen mit Putin bereiterklärt, Einladungen nach Moskau jedoch kategorisch abgelehnt.
Trump warf Selenskyj zudem vor, mit Angriffen auf den russischen Energiesektor zur weltweiten Dieselknappheit beigetragen zu haben, und forderte ihn auf, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen. «Er will unseren Landwirten und Viehzüchtern Probleme mit Dieselkraftstoff bereiten, denn Russland liefert einen großen Teil des Dieselkraftstoffs weltweit», behauptete Trump. Tatsächlich waren die Preise für Rohöl und Diesel infolge des Iran-Krieges stark gestiegen, den die USA und Israel im vergangenen Februar begonnen hatten. Am Samstag verkündete Trump nach einem Telefonat mit Putin einen Diesel-Deal mit Russland – Hunderttausende Tonnen Diesel sollen in den kommenden Monaten aus Russland geliefert werden. Selenskyj reagierte empört: «Die Erlaubnis für Russland, Erdölprodukte zu verkaufen, ist eine Investition in den Krieg, den man beenden und nicht verlängern muss», schrieb er auf Telegram.
Trump steht in den USA angesichts gestiegener Spritpreise vor den wichtigen Zwischenwahlen in weniger als einem Monat unter starkem Druck. Das Verhältnis zwischen Trump und Selenskyj ist wechselhaft: Ein erster Tiefpunkt war das öffentliche Zerwürfnis im Februar 2025, als Trump Selenskyj im Oval Office mangelnden Respekt und fehlende Dankbarkeit vorwarf. Später näherten sich die beiden Präsidenten wieder an, und es wurde ein umstrittenes Rohstoffabkommen unterzeichnet. Nun scheint der nächste Tiefpunkt erreicht.
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