Selenskyj kontert russischen Staatsreporter bei UN-Generalversammlung
Am Rande der UN-Generalversammlung in New York ist der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit einem Reporter des russischen Staatsfernsehens aneinandergeraten. Selenskyj reagierte auf dessen Frage mit sarkastischem Kommentar.
Am Rande der UN-Generalversammlung in New York ist der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit einem Reporter des russischen Staatsfernsehens aneinandergeraten. Der Vorfall ereignete sich während des internationalen Gipfeltreffens, bei dem der Krieg gegen die Ukraine eines der beherrschenden Themen war. Der Reporter ließ nicht von Selenskyj ab und stellte eine Frage, die der ukrainische Präsident schließlich sarkastisch kommentierte.
Der Wortwechsel fällt in eine Phase, in der sich die diplomatischen Fronten verhärten. Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte zuvor im UN-Sicherheitsrat die russische Position zum Angriffskrieg dargelegt und dabei erneut behauptet, in der Ukraine regiere ein Nazi-Regime, das russischsprachige Menschen im Donbass unterdrücke. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha nannte Lawrows Ausführungen später eine «Märchenstunde». Lawrow verließ nach seiner Rede den Saal, während die ukrainische Delegation im Raum blieb, sich jedoch Kopfhörer aufsetzte, um die russischen Ausführungen nicht weiter anzuhören.
Die Ukraine bemüht sich bei der UN-Generalversammlung um ein zweigleisiges Vorgehen: Kiew zeigt sich kompromissbereit und verhandlungsbereit, zugleich versucht die Regierung, der internationalen Gemeinschaft zu vermitteln, dass der Krieg gegen Russland nicht nur ein ukrainischer Konflikt ist. Sybiha bekräftigte, dass die Ukraine zu einer sofortigen, vollständigen Waffenruhe ohne Bedingungen bereit sei, vorausgesetzt, Moskau halte sie ein. Auch Teilwaffenruhen zum Schutz von Energieanlagen oder für Getreideexporte seien möglich. Nach Angaben Sybihas wird diese Haltung von 14 der 15 Staaten im Sicherheitsrat unterstützt, darunter die USA und China.
Russland hingegen signalisiert keine Bereitschaft zu einer Pause. Lawrow erklärte in New York, man werde in der «speziellen Militäroperation» keine Pause einlegen. Die Ukraine würde eine Waffenruhe lediglich nutzen, um sich von den Europäern bewaffnen zu lassen. Damit macht Moskau kein Geheimnis daraus, dass es Verhandlungen und Gesprächen eher ausweichen möchte. In europäischen Delegationen herrscht die Befürchtung, dass Russland mindestens den Kriegswinter nutzen will, um die Ukraine weiter zu zermürben.
Ein positives Signal geht für die Ukraine und ihre europäischen Unterstützer dennoch von der UN-Generaldebatte aus: Ein geschwächtes Russland wirkt offenbar nicht besonders anziehend auf andere Staaten. Der Druck auf Putin wächst, auch von Seiten der USA. Washington war in den vergangenen Wochen mit Blick auf die Ukraine nicht untätig. Trumps Sondergesandte Jared Kushner und Steve Witkoff reisten nach Kiew und Moskau. Trump verkündete vergangene Woche, dass Russland und die Ukraine einer begrenzten Waffenruhe zustimmen und ihre gegenseitigen Angriffe auf Energieanlagen einstellen würden.
Von einer solchen Vereinbarung würden beide Kriegsparteien profitieren. Die ukrainischen Drohnen- und Raketenangriffe auf Russlands Rohstoffproduktion verursachen erhebliche wirtschaftliche Schäden und Engpässe. Gleichzeitig droht der ukrainischen Zivilbevölkerung durch die russischen Angriffe gegen die zivile Energieinfrastruktur erneut ein harter Kriegswinter. Während Selenskyj sich für diese partielle Waffenruhe aussprach, spielt Moskau auf Zeit. Die beunruhigende Botschaft des UN-Treffens lautet, dass Putin einem Kompromiss offenbar auch dann nicht zustimmen will, wenn sein Land davon profitieren würde.
Der Zwischenfall mit dem russischen Staatsreporter reiht sich damit in eine angespannte Atmosphäre ein, in der die Ukraine um internationale Unterstützung wirbt und Russland zugleich jede Annäherung blockiert. Selenskyj nutzte die Gelegenheit, um auf die Frage des Reporters mit Sarkasmus zu reagieren und die unnachgiebige Haltung Moskaus indirekt zu kommentieren. Die UN-Generalversammlung endet ohne konkrete Lösung des Konflikts, doch die Fronten und die wachsende Isolation Russlands wurden in New York erneut sichtbar.
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