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Lula und Bolsonaro mobilisieren vor Stichwahl in Brasilien Tausende Anhänger

Vor der Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien haben Amtsinhaber Lula und sein Herausforderer Flávio Bolsonaro am Samstag mit großen Kundgebungen um Wähler geworben. Umfragen sehen ein äußerst knappes Rennen.

Lula und Bolsonaro mobilisieren vor Stichwahl in Brasilien Tausende Anhänger
Tausende bei Abschlusskundgebungen von Lula und Bolsonaro vor Stichwahl in Brasilien

Vor der Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien haben am Samstag tausende Anhänger beider Kandidaten ihre Unterstützung auf der Straße gezeigt. Der linksgerichtete Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva fuhr am Strand von Copacabana in Rio de Janeiro auf der Ladefläche eines Lastwagens durch eine riesige Menge. Sein Herausforderer Flávio Bolsonaro versammelte in Belo Horizonte, der Hauptstadt des südöstlichen Bundesstaats Minas Gerais, ebenfalls tausende Anhänger um sich. Die Abschlusskundgebungen markieren den Endspurt eines Wahlkampfs, der an Schärfe gewonnen hat.

Lula bewegte sich bei seiner Kundgebung im Rhythmus der Musik und schüttelte die Hände seiner Anhänger, die überwiegend in Rot gekleidet waren, der Farbe der Arbeiterpartei PT. «Hier muss das Volk entscheiden: Soll es einer sein, der die Nationalflagge küsst, oder einer, der die US-Flagge küsst», sagte Lula in Anspielung auf die Nähe seines Gegenkandidaten zu US-Präsident Donald Trump. In Belo Horizonte trugen viele Anhänger Bolsonaros das gelbe Trikot der brasilianischen Fußballnationalmannschaft, unter den Teilnehmern waren zahlreiche Motorradfahrer. Ein Anhänger, der Unternehmenschef Ebert Dorigo, sagte: «Die Partei, die derzeit an der Macht ist, will die Menschen abhängig vom Staat machen.»

Flávio Bolsonaro besuchte nach seiner Kundgebung in Belo Horizonte auch das Haus in Rio de Janeiro, in dem sich sein Vater, der rechtsextreme Ex-Präsident Jair Bolsonaro, nach einem Messerangriff während des Präsidentschaftswahlkampfs 2018 erholt hatte. Dort wurde der Sohn von Anhängern begeistert empfangen. Er tanzte und betete gemeinsam mit der Menschenmenge und zeigte sich «absolut überzeugt, dass Brasilien morgen um diese Zeit einen neuen Präsidenten haben wird».

Jair Bolsonaro war nach seiner Abwahl wegen eines Putschversuchs gegen Lula zu 27 Jahren Haft verurteilt worden. Aus gesundheitlichen Gründen verbüßt er seine Strafe mittlerweile im Hausarrest. Sein Sohn Flávio soll nun sein politisches Erbe antreten. Im Falle eines Wahlsiegs kündigte er an, seinen Vater und die anderen Beteiligten des Putschversuchs zu begnadigen. Zudem will er hart gegen die Kriminalität vorgehen, eine halbe Million zusätzliche Haftplätze schaffen und die Staatsausgaben zurückfahren.

Die erste Wahlrunde Anfang Oktober hatte Flávio Bolsonaro mit 47 Prozent der Stimmen überraschend gewonnen, Lula kam auf 45 Prozent. Die meisten Umfragen hatten diesen Ausgang nicht vorausgesagt und stattdessen einen knappen Sieg Lulas erwartet. Auch für die Stichwahl zeichnet sich ein äußerst knappes Rennen ab. Zwei am Samstag veröffentlichte Umfragen sahen Bolsonaro knapp vor Lula, nämlich 51 zu 49 Prozent in einer Befragung des Instituts Datafolha und das gleiche Ergebnis bei Quaest. Eine frühere Datafolha-Umfrage vom Donnerstag hatte beide Kandidaten gleichauf bei 50 Prozent gesehen.

Der Urnengang in Lateinamerikas größter Volkswirtschaft gilt als bedeutende Richtungswahl. Der seit 2023 erneut regierende Lula, der kommende Woche 81 Jahre alt wird, steht für umfangreiche Sozialprogramme, Klimaschutz und Multilateralismus. Nach seiner Niederlage in der ersten Runde richtete sein Wahlkampfteam die Kampagne neu aus und setzte verstärkt auf Präsenz in den Online-Netzwerken. Auch in Städten wie São Paulo und Brasília gingen Menschen für Lula auf die Straße. Bei Copacabana traten bekannte Musiker wie Caetano Veloso auf, die Strandpromenade wurde zur politischen Bühne. Flávio Bolsonaro mobilisierte vor allem in Regionen, in denen er schwächer abgeschnitten hatte, etwa im ärmeren Nordosten, wo er in Fortaleza mit Feuerwerk und Musik seine Anhänger anfeuerte.

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Florian Lorenz

Autor

Sportredakteur

Florian Lorenz berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.