Dienstag, 20. Oktober 2026 Nachrichten im Zusammenhang Über die Zeitung
Güldendorf Suche

Politik

Klitschko ruft in Berlin zur Solidarität mit der Ukraine auf

Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko kann den European Future Award wegen der dramatischen Lage in seiner Stadt nicht persönlich entgegennehmen. In einer Videobotschaft warnt er vor Putins Ziel, Millionen Menschen aus der Ukraine zu vertreiben, und fordert gemeinsame europäische Verantwortung.

Klitschko ruft in Berlin zur Solidarität mit der Ukraine auf
„Wir werden nie kapitulieren“ – Klitschkos emotionale Botschaft in Berlin

Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko hat in einer Videobotschaft bei einer Preisverleihung in Berlin eindringlich an die Solidarität Europas mit der Ukraine appelliert. Der russische Präsident Wladimir Putin wolle die Menschen aus den Städten der Ukraine «kaputt bomben» und so für Millionen Flüchtlinge sorgen, sagte Klitschko. «Aber das wird nie passieren», betonte er. Ursprünglich hatte der Bürgermeister geplant, seine Auszeichnung, den European Future Award, persönlich in Berlin entgegenzunehmen. Die Lage in Kiew habe sich jedoch dramatisch zugespitzt, sodass er vor Ort bleiben müsse.

Klitschko schilderte, er erlebe Tag und Nacht, wie dramatisch der Beschuss geworden sei – auf Brücken, Kraftwerke, Schulen, Kindergärten, Kranken- und Wohnhäuser. Putin wolle «uns kaputt bomben und dafür sorgen, dass die Menschen aus den Städten fliehen», sagte er. Ziel sei es, «für Millionen Flüchtlinge in Europa zu sorgen» und dass «Europa uns deshalb im Stich lässt und wir kapitulieren». Der ehemalige Weltklasse-Boxer erhielt für seine Videobotschaft lauten Applaus und Standing Ovations. In seinen Worten verband er die Verteidigung der ukrainischen Hauptstadt mit der europäischen Idee: «Wir wollen nie wieder Krieg in Europa. Frieden braucht unsere gemeinsame Verantwortung. Freiheit braucht Menschen, die füreinander einstehen.»

Eine zentrale Frage seiner Rede lautete: «Warum soll unser Traum einer europäischen Zukunft mit einem so hohen Preis bezahlt werden?» Die Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft in Europa gebe vielen Menschen in der Ukraine die Kraft durchzuhalten, so Klitschko. Die Ukraine verteidigt sich nach seinen Angaben mit westlicher Hilfe seit mehr als viereinhalb Jahren gegen eine großangelegte russische Invasion. Der 55-Jährige verteidige als Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt etwas, das über die Zukunft seiner Stadt und seines Landes hinausweise: das Recht der Menschen, frei und selbstbestimmt zu leben, hieß es in der Jurybegründung.

Der European Future Award steht unter der Schirmherrschaft von Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD). Mit ihm sollen Persönlichkeiten ausgezeichnet werden, die für Freiheit, Menschenrechte, Solidarität und Diversität stehen, Brücken bauen und den europäischen Gedanken stärken. Neben Klitschko wurden der Schauspieler Daniel Brühl, die Co-Gründerin des europäischen sozialen Netzwerks W Social, Anna Zeiter, sowie die kurdische Autorin und Dichterin Meral Şimşek geehrt. Die Initiative «Tu was für Europa» unter dem Vorsitz von Martin Schulz, dem ehemaligen Präsidenten des Europäischen Parlaments, hat den Preis zum ersten Mal in Berlin vergeben.

Die Ehrung fällt in eine Phase, in der die russischen Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur und die Zivilbevölkerung nach Klitschkos Darstellung massiv zugenommen haben. Seine Videobotschaft warnte zugleich vor den politischen Folgen für ganz Europa: Wenn Millionen Menschen aus den Städten der Ukraine fliehen müssten, stelle das den Zusammenhalt und die Aufnahmefähigkeit der europäischen Staaten auf eine harte Probe. Klitschko verband damit die Erwartung, dass Europa in seiner Unterstützung nicht nachlässt. Der Preis, so die Botschaft der Veranstalter, solle jene würdigen, die sich für ein freies und gemeinsames Europa einsetzen – eine Verantwortung, die nach den Worten des Kiewer Bürgermeisters derzeit vor allem die Ukraine mit hohen Opfern trage.

3Aufrufe

Helena Beckmann

Autor

Kulturkorrespondentin

Helena Beckmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.