Heeresinspekteur Freuding fordert schnellere digitale Ausstattung der Bundeswehr
Der Heeresinspekteur Christian Freuding spricht im Interview über den geplanten „App-Store“ der Bundeswehr, Enttäuschungen bei Rüstungsprojekten und die digitale Vernetzung älterer Schützenpanzer.
Modernität im Heer bemisst sich nicht mehr allein an der Dicke des Panzerstahls. Das betont Heeresinspekteur Christian Freuding im Interview mit dem Handelsblatt. Im Mittelpunkt stehen für ihn digitale Fähigkeiten, Software und die Frage, wie schnell neue Technik in der Truppe ankommt.
Freuding äußert dabei eine klare Erwartung an einen sogenannten „App-Store“ der Bundeswehr. Gemeint ist eine Plattform, über die Soldatinnen und Soldaten nutzbare digitale Anwendungen beziehen können, ähnlich wie man es von zivilen Smartphones kennt. Ziel sei es, Neuerungen nicht erst über lange Beschaffungszyklen, sondern deutlich rascher in den Dienstalltag zu bringen.
Der Heeresinspekteur zeigt sich zugleich enttäuscht über den bisherigen Verlauf einzelner Rüstungsprojekte. Der Anspruch, moderne Systeme zügig einzuführen, sei im Alltag oft nur schwer einzulösen. Diese Erfahrung prägt seine Forderung nach einem Umdenken in Beschaffung und Entwicklung.
Ein zentrales Beispiel ist die digitale Vernetzung älterer Fahrzeuge. Freuding stellt die Frage, warum Schützenpanzer, die rund 50 Jahre alt sind, heute digital funken müssen. Die Antwort liegt für ihn in der Notwendigkeit, auch bestehende Plattformen in ein vernetztes Gefechtsfeld einzubinden, statt sie isoliert zu betreiben.
Die Aussagen zeigen, wie sich das Verständnis von Verteidigungsfähigkeit verschiebt. Nicht mehr allein Schutz durch schwere Panzerung entscheidet über die Leistungsfähigkeit, sondern die Fähigkeit, Informationen schnell zu teilen und Systeme flexibel anzupassen. Für die Bundeswehr bedeutet das eine Herausforderung zwischen dem Erhalt vorhandener Technik und dem Aufbau digitaler Strukturen.
8
