Zwei Hochgeschwindigkeitszüge kollidieren in Spanien, mindestens 30 Menschen sterben
Bei Urda in der Provinz Toledo sind nach dem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge mindestens 30 Menschen ums Leben gekommen. Zahlreiche Menschen wurden verletzt, zwei Waggons stürzten einen Bahndamm hinab.
Bei einem schweren Zugunglück in Spanien sind nach Angaben der Regionalregierung von Kastilien-La Mancha mindestens 30 Menschen ums Leben gekommen. Zwei Hochgeschwindigkeitszüge stießen am Morgen nahe Urda in der Provinz Toledo, rund 130 Kilometer südlich von Madrid, zusammen. Auch Dutzende Menschen wurden verletzt, wie die Sprecherin der Regionalregierung, Esther Padilla, im spanischen Fernsehen sagte. Zur genauen Zahl der Verletzten gab es zunächst keine Angaben.
Beteiligt waren ein Zug des privaten Bahnunternehmens Iryo und ein Zug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe. Zwei Waggons des Iryo-Zuges entgleisten nach dem Zusammenstoß und stürzten nach Angaben des Fernsehsenders RTVE einen Bahndamm hinunter. Nach Angaben Padillas befanden sich 146 Passagiere sowie ein Baby im Iryo-Zug, im Renfe-Zug 397 Menschen. Beide Züge waren in Richtung Süden nach Andalusien unterwegs.
Warum es zu dem Unglück kam, war zunächst unklar. Der Iryo-Zug war nach Angaben aus Kreisen des spanischen Bahnnetzbetreibers Adif aus bislang unbekannten Gründen zum Stehen gekommen. Der nachfolgende Renfe-Zug sei kurz vor neun Uhr auf ihn aufgefahren. Nach ersten Ermittlungen könnte menschliches Versagen die Ursache sein, berichtete die Zeitung „El País“.
Am Unglücksort waren Feuerwehrleute aus den nahe gelegenen Orten Alcázar de San Juan und Orgaz sowie Zivilschutzkräfte aus mehreren umliegenden Gemeinden im Einsatz. Drei Rettungshubschrauber und zwei mobile Intensivstationen wurden zur Versorgung der Verletzten eingesetzt. Das Innenministerium in Madrid ordnete zudem den Einsatz der Militärischen Nothilfeeinheit UME an. Der Bahnverkehr zwischen Madrid und Andalusien wurde in beide Richtungen unterbrochen.
Ein Überlebender schilderte „El País“ die dramatischen Momente. Jesús Jerónimo, 54 Jahre alt, saß in einem Waggon des Renfe-Zuges auf dem Weg nach Sevilla und arbeitete an seinem Laptop. „Ich spürte plötzlich eine heftige Beschleunigung und wurde mit voller Wucht gegen den Vordersitz geschleudert. Menschen flogen durch die Luft“, sagte er. Zunächst hätten die Passagiere gedacht, ihr Zug sei entgleist. Als sie nach und nach ausgestiegen seien, hätten sie gesehen, dass der Zug schräg stand. Jerónimo half anschließend den Rettungskräften, unter anderem, indem er Infusionen hielt.
Auch international löste das Unglück Bestürzung aus. Ministerpräsident Pedro Sánchez zeigte sich auf X „bestürzt über das schwere Zugunglück in Toledo“ und sprach den Betroffenen sein Mitgefühl aus. Die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Evelyn Palla, erklärte, das Unglück treffe „die Eisenbahnfamilie mitten ins Herz“. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schrieb: „Europa trauert heute mit euch.“
Das Unglück weckt Erinnerungen an die schwere Zugkatastrophe vom Januar bei Adamuz in Andalusien. Damals entgleiste ein Iryo-Hochgeschwindigkeitszug und stieß mit einem entgegenkommenden Zug von Renfe zusammen. Dabei kamen 46 Menschen ums Leben, mehr als 150 wurden verletzt.
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