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Wetterexperten spielen Extrem-Winter an der Ostseeküste durch

Ein Gedankenspiel zeigt, wie an der deutschen Ostseeküste binnen weniger Tage ein Meter Neuschnee fallen könnte. Das Szenario ist keine Vorhersage, verweist aber auf ein reales Wetterphänomen und die Rolle des Klimawandels.

Wetterexperten spielen Extrem-Winter an der Ostseeküste durch
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Ein Meter Neuschnee im Flachland – für die deutsche Ostseeküste ist das kein realistischer Wetterbericht, sondern ein durchgerechnetes Gedankenspiel. Wie ein Wetterportal beschreibt, könnte ausgerechnet die Region zwischen Rügen und Vorpommern unter bestimmten Bedingungen von extremen Schneemengen getroffen werden. Eine Vorhersage für diesen Winter sei das ausdrücklich nicht, betont der Bericht. Wohl aber ein Szenario, das zeigt, welche Kräfte bei einem Wintereinbruch an der Küste zusammenwirken können.

Ausgangspunkt des Gedankenspiels ist ein milder Herbst mit einer für die Jahreszeit ungewöhnlich warmen Ostsee. Über Skandinavien baut sich demnach ein kräftiges Hoch auf, der Wind dreht auf Nordost, und aus Russland strömt bitterkalte Luft heran. Die Temperaturen sinken nachts auf minus zwölf Grad. Zunächst fallen nur wenige Flocken auf Rügen und in Vorpommern, fünf Zentimeter Schnee, mehr nicht. Doch dann trifft die eisige Luft auf das vergleichsweise warme Meerwasser und lädt sich mit Feuchtigkeit auf.

Es entstehen schmale, aber heftige Schneebänder, die immer wieder über dieselben Orte ziehen. Meteorologen nennen dieses Phänomen Lake-Effect, bekannt ist es vor allem von den Großen Seen in den USA, wo es regelmäßig ganze Städte unter Schnee begräbt. Im Szenario liegen in Teilen Vorpommerns bereits am Abend des zweiten Tages 40 Zentimeter Neuschnee. Am dritten Tag schneit es stundenlang mit mehreren Zentimetern pro Stunde weiter, Landstraßen verschwinden, erste Dörfer sind nur noch zu Fuß erreichbar. Der Winterdienst kommt nicht mehr hinterher.

Dann rückt das Gewicht der Schneemassen in den Mittelpunkt. Je nachdem, wie stark sich der Schnee setzt, lasten nach Angaben des Berichts bald 100 bis 300 Kilogramm pro Quadratmeter auf den Dächern. Erste Carports und Hallen geben nach, die Feuerwehr ist im Dauereinsatz. Am vierten Tag ist die Marke von einem Meter Neuschnee im Flachland erreicht. Bahnstrecken sind gesperrt, auf der A20 stecken Lastwagen fest, Schulen und Kitas bleiben geschlossen. Unter der Schneelast reißen Stromleitungen, Tausende Haushalte sitzen im Kalten, Supermärkte bekommen keine Ware mehr, Rettungsdienste kämpfen sich mit Räumfahrzeugen voran.

Der Kontrast zu anderen Teilen der Republik ist Teil des Szenarios: In Frankfurt oder Köln liegt zur gleichen Zeit keine einzige Flocke. Wie realistisch ist das? Innerhalb eines einzigen Tages sicher nicht, heißt es in dem Bericht. Selbst in der Schweiz gelten 30 bis 60 Zentimeter Neuschnee im Flachland seit März 2006 als absoluter Rekord. Verteilt über mehrere Tage und begrenzt auf einen schmalen Küstenstreifen sei ein solches Ereignis aber nicht ausgeschlossen, nur extrem selten. Ob es ausgerechnet in diesem Winter passiert, könne heute niemand seriös sagen.

Bemerkenswert ist der Zusammenhang mit dem Klimawandel. Eine wärmere Ostsee liefert mehr Feuchtigkeit für solche Schneebänder, fehlt nur noch die richtige Kälte zur richtigen Zeit. Das Szenario macht damit auf ein Spannungsfeld aufmerksam, das über den Wetterbericht hinausreicht: Wärmere Meere können unter bestimmten Bedingungen extreme Schneefälle begünstigen, statt sie auszuschließen. Für die Menschen an der Küste bleibt die praktische Lehre, sich auf seltene, aber heftige Winterereignisse einzustellen. Wetten sollte man auf einen Meter Neuschnee in diesem Winter nicht, ausschließen aber auch nicht.

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Helena Beckmann

Autor

Kulturkorrespondentin

Helena Beckmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.