Ukraine stellt neue Mittelstrecken-Drohne «Thor Hammer» vor
Das ukrainische Rüstungsunternehmen SkyFall hat eine neue Angriffsdrohne präsentiert. Die «Thor Hammer» soll je nach Version 350 oder 600 Kilometer weit fliegen und einen Gefechtskopf von 40 bis 50 Kilogramm tragen. Die Angaben des Herstellers lassen sich unabhängig bislang nicht überprüfen.
Das ukrainische Rüstungsunternehmen SkyFall hat eine neue Angriffsdrohne vorgestellt. Die «Thor Hammer» soll je nach Version 350 oder 600 Kilometer weit fliegen und einen Gefechtskopf von 40 bis 50 Kilogramm tragen. Pro Stück kostet sie nach Unternehmensangaben 25.000 bis 30.000 Dollar. Mehrere ukrainische Medien, darunter «Militarnyi», berichten übereinstimmend über die neue Drohne, stützen sich dabei jedoch durchgehend auf Angaben des Herstellers, die sich unabhängig nicht überprüfen lassen. Das gilt auch für die Aussage, das System sei bereits an der Front im Einsatz.
Die Drohne besetzt eine Kategorie, die in der Branche als «Middle Strike» bezeichnet wird – der Angriff auf mittlere Distanz. Darunter liegen FPV-Drohnen: kleine ferngesteuerte Fluggeräte mit Kamerabild, die einige Dutzend Kilometer reichen und Fahrzeuge oder Stellungen an der Kontaktlinie bekämpfen. Darüber liegen Langstrecken-Drohnen wie die ukrainische FP-1, die auf bis zu 1.600 Kilometer ausgelegt ist und gegen Ziele im russischen Hinterland fliegt. Mit 350 bis 600 Kilometern zielt die «Thor Hammer» auf den Raum dazwischen: Nachschubdepots, Gefechtsstände, Flugplätze und Flugabwehrstellungen. Eine Gleichsetzung mit russischen Geran-Drohnen, die 1.000 bis 2.500 Kilometer zurücklegen, trägt deshalb nicht.
Dass dieser mittlere Bereich militärisch lohnt, legt eine Auswertung der Analysegruppe Tochnyi nahe. Zwischen Juni 2025 und März 2026 registrierte sie bestätigte Treffer auf 237 Ziele mit Bezug zur Luftverteidigung sowie auf 196 Radar- und Störsysteme. Die «Thor Hammer» ist mit 3,5 Metern Spannweite und drei Metern Länge kompakt genug für mobile Startgeräte. Abgeschossen wird sie per Katapult oder mit einem Raketenbooster – beides funktioniert von festen Positionen wie von Lastwagen aus. Die Besatzung kann die Stellung nach dem Start wechseln, bevor der Gegner sie erfasst. Der Aufbau dauert dem Hersteller zufolge rund 18 Minuten. Als Gefechtsköpfe nennt SkyFall Splitter- und Splitter-Sprengladungen.
Im Flug folgt die Drohne selbstständig einer vorprogrammierten Route, erreicht bis zu 180 Kilometer pro Stunde und eine Gipfelhöhe von 4.000 Metern. Eine Tages- oder Wärmebildkamera überträgt dabei ein Videobild in Echtzeit. Kurz vor dem Ziel meldet sich das System beim Operator, der über den Angriff entscheidet. Erst nach dessen Bestätigung übernimmt die Software: Algorithmen der künstlichen Intelligenz und der Bilderkennung korrigieren den Endanflug. Die Entscheidung über den Waffeneinsatz bleibt damit formal beim Menschen – ein Punkt, der in der völkerrechtlichen Debatte über autonome Waffensysteme im Zentrum steht. Die Grenze ist dabei schmal: Zielerkennung und -verfolgung laufen maschinell, der Mensch gibt einen Rahmen frei, nicht jeden Steuerbefehl.
Als Hauptargument für den Einsatz gilt der Preis. Die Produktionskosten der «Thor Hammer» liegen nach Unternehmensangaben zwischen 22.000 und 27.000 Euro und damit deutlich unter den Kosten einer russischen Geran-2, die ukrainische Schätzungen bei etwa 62.000 Dollar ansetzen. An einer Variante mit mehr als 1.000 Kilometern Reichweite arbeitet das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits. Sollte sie kommen, verschöbe sich die «Thor Hammer» aus der mittleren Kategorie in den Bereich der Tiefschläge. Ob das Gerät hält, was der Hersteller verspricht, wird sich erst zeigen, wenn unabhängige Belege über Einsätze vorliegen.
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