Ukraine greift russischen Militärflugplatz Borisoglebsk an
Die Ukraine soll in der Nacht zum Donnerstag den russischen Militärflugplatz Borisoglebsk in der Region Woronesch mit Raketen angegriffen haben. Auf dem Stützpunkt sind Su-34 und Su-35 stationiert. Unabhängig bestätigt sind die Schäden bislang nicht.
Die Ukraine soll in der Nacht zum Donnerstag einen russischen Militärflugplatz in der Region Woronesch mit Raketen angegriffen haben. Auf dem Flugplatz Borisoglebsk kam es nach übereinstimmenden Berichten ukrainischer Militärbeobachter zu mindestens einer heftigen Explosion und einem großen Brand. In sozialen Netzwerken kursieren Videos, die einen gewaltigen Feuerball über dem Gelände zeigen. Eine unabhängige Bestätigung des Angriffs und des Ausmaßes der Schäden steht bislang aus.
Auf dem Militärflugplatz Borisoglebsk sind nach vorliegenden Informationen unter anderem russische Kampfjets und Bomber der Typen Su-34 und Su-35 stationiert. Diese Maschinen setzt Russland auch für Angriffe mit gelenkten Fliegerbomben auf die Ukraine ein. Zudem sollen sich auf dem Stützpunkt Munitions- und Treibstofflager befinden. Der Gouverneur der Region Woronesch, Alexander Gussew, hatte die Bevölkerung zuvor vor Raketenangriffen gewarnt. Ob der Flugplatz tatsächlich getroffen wurde und welche Schäden entstanden sind, ist bislang nicht unabhängig bestätigt.
Der Angriff fällt in eine Phase, in der sich die militärische Lage in der Region weiter zuspitzt. Erst am Mittwoch war nahe der Grenze zur Ukraine nach einer Explosion auf einem Handelsschiff in rumänischen Gewässern Feuer ausgebrochen. Ob ein Treffer durch eine Drohne die Ursache gewesen sei, sei noch unklar, sagte Verteidigungsminister Radu Miruta dem rumänischen Sender «Digi24». Die rumänische Luftabwehr habe auf ihrem Radar keine Drohne registriert, die sich auf dieses Schiff zubewegt habe. Das Schiff fahre nun zum rumänischen Schwarzmeer-Hafen Constanta, wo eine Untersuchung zur Feststellung der Brandursache geplant sei.
Wie mehrere rumänische Medien berichteten, hatte die Crew des unbeladenen Schiffs «Yara J» unter der Flagge der Komoren-Insel etwa 10 Seemeilen südöstlich der Hafenstadt Sulina an der Donaumündung einen Notruf abgesetzt. Wie Minister Miruta bestätigte, gelang es der Crew, das Feuer vor Eintreffen der rumänischen Seeretter selbst zu löschen. Von den 17 Seeleuten – Syrer, Inder und Iraner – sei niemand verletzt worden.
Unterdessen hat der US-Unternehmer Elon Musk nach Kritik aus der Ukraine darauf verwiesen, dass das Satellitennetzwerk Starshield Eigentum der US-Regierung sei und von dieser auch kontrolliert werde. Jegliche Beschränkungen bei Geschwindigkeit oder Nutzung werde vom US-Militär und letztlich vom US-Präsidenten festgelegt, erklärte Musk auf X. Starshield ist der militärische Teil des Satellitennetzwerks, dessen ziviler Arm Starlink heißt. Zu Starlink sagte Musk, dieses System sei auf zivile oder defensive Aktivitäten beschränkt und könne nicht für offensive militärische Zwecke genutzt werden.
Die Ukraine hatte zuvor Musks Unternehmen SpaceX, zu dem Starshield und Starlink gehören, vorgeworfen, die Satelliten-Nutzung für die Ukraine eingeschränkt und dadurch die ukrainische Drohnenabwehr und Luftverteidigung im Kampf gegen Russland geschwächt zu haben. Das hatte Sorgen geschürt, US-Präsident Donald Trump könne die Unterstützung der Ukraine auf dem Schlachtfeld reduzieren, um Kiew zu Zugeständnissen an Russland oder die USA zu zwingen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte, man fühle sich verraten. «Schande, dass wir einen starken Partner verlieren», so Selenskyj.
Nach einem Anschlag auf eine Starlink-Bodenstation in Polen ist es auch in Bulgarien zu einem Brand in einer Anlage des Satelliteninternetdienstes gekommen. Bulgariens Regierungschef Rumen Radew bestätigte in der Fragestunde des Parlaments in Sofia den Vorfall in der Nähe der Hauptstadt. Das Satellitennetz ist ein strategisch wichtiger Bestandteil der ukrainischen Verteidigung im Krieg gegen Russland. Der Brand war zuvor vom Oppositionsbündnis Demokratisches Bulgarien (DB) öffentlich gemacht worden. Wegen laufender Ermittlungen wollte Radew keine näheren Angaben zu dem Vorfall machen.
In einer geheim gehaltenen Anlage von Starlink in der Nähe der bulgarischen Hauptstadt Sofia sollen dem Oppositionsbündnis zufolge elf von 17 Antennen am 9. Oktober vorsätzlich in Brand gesetzt worden sein. Diese Antennen dienten zur Hauptverbindung zu SpaceX und würden im Ukraine-Krieg genutzt, so DB. Prowestliche Oppositionsparteien vermuten eine Verbindung zu Russland. Der Chef der bulgarischen Agentur für nationale Sicherheit DANS, Plamen Tontschew, geht bei dem Brand in der Starlink-Anlage bei Sofia von Sabotage aus. «Derartige Sabotage-Akte sind auch in Zukunft nicht ausgeschlossen», warnte er im bulgarischen Parlament.
Die USA haben unterdessen vorgeschlagen, dass europäische Staaten einen Teil der nach Moskaus Angriff auf die Ukraine blockierten russischen Staatsvermögen freigeben und in ein von Washington beaufsichtigtes Instrument übertragen. Damit sollten Friedensgespräche wiederbelebt werden, berichtete die Zeitung «Financial Times» unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Europäische Delegierte hätten den Plan zurückgewiesen, der von den US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, vorgelegt worden sei. Die Nachrichtenagentur Reuters konnte den Bericht zunächst nicht unabhängig überprüfen.
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