Trump stoppt Livestream der Hinrichtung von Nidal Hasan
Die geplante öffentliche Übertragung der Hinrichtung des Attentäters Nidal Hasan auf dem Militärstützpunkt Fort Hood wird nicht im Internet gezeigt. Präsident Trump begründet die Kehrtwende mit dem Wunsch wohlmeinender Menschen. Die Exekution per Erschießungskommando am 3. Dezember bleibt umstritten.
Die für den 3. Dezember geplante Hinrichtung des zum Tode verurteilten Attentäters Nidal Hasan auf dem Militärstützpunkt Fort Hood im US-Bundesstaat Texas wird nicht per Livestream im Internet übertragen. US-Präsident Donald Trump gab die Kehrtwende auf seiner Plattform Truth Social bekannt. Viele «sehr gute und wohlmeinende Menschen» wollten nicht dabei zusehen, wie der Mann sterbe, schrieb Trump. Eine öffentliche Übertragung hätte seiner Ansicht nach zwar eine starke abschreckende Wirkung haben können, doch werde die Exekution nun nicht gezeigt. Die engsten Angehörigen der Opfer dürften auf Wunsch persönlich anwesend sein, erklärte der Präsident.
Zuvor hatte Verteidigungsminister Pete Hegseth vergangene Woche zunächst angekündigt, die Hinrichtung solle öffentlich stattfinden, und später bestätigt, dass ein Livestream geplant sei. Man werde dafür sorgen, dass Menschen die Hinrichtung von Hasan öffentlich beobachten könnten, sagte Hegseth dem rechtskonservativen US-Sender Real America's Voice. «Die Menschen müssen verstehen, dass solche Taten schwerwiegende Konsequenzen haben», so der Minister. Das Vorhaben stieß parteiübergreifend auf scharfe Kritik. US-Vizepräsident JD Vance äußerte Zweifel und sagte, er werde sich eine mögliche Übertragung nicht ansehen. Kritiker warnten, die Aufnahmen könnten Terroristen als Propagandamaterial dienen. Zudem stellten sich Fragen, wie verhindert werden solle, dass beispielsweise Kinder die Hinrichtung verfolgten.
Der Demokrat Chris Murphy zeigte sich in einem Interview des US-Senders CNN sichtlich geschockt, als er von Hegseths Ankündigung hörte: «Das ist widerlich. Was ahmt er nach? Hinrichtungen durch (die Terrormiliz Islamischer Staat) IS?» Er verstehe zwar, dass es in den USA die Todesstrafe gebe, «aber öffentliche Hinrichtungen sind mittelalterlich». Das sei eine der Praktiken terroristischer Gruppen, die die USA verabscheuten.
Hasan, ein ehemaliger Militärpsychiater, hatte im November 2009 auf dem Stützpunkt Fort Hood das Feuer eröffnet und zwölf Soldaten sowie einen Zivilisten getötet und Dutzende Menschen verletzt, bevor er selbst angeschossen und festgenommen wurde. Laut der New York Times gab Hasan an, den Angriff im Namen des Dschihads, des sogenannten Heiligen Krieges, verübt zu haben. Die Kriege in Afghanistan und Irak habe er als illegal bezeichnet. Der Anschlag ereignete sich auf dem Höhepunkt des Anti-Terror-Kampfes nach dem 11. September 2001. Hasan wurde in den USA als Sohn palästinensischer Eltern geboren und habe sich vor dem Anschlag zunehmend radikalisiert. Für seine Tat wurde er 2013 von einem Militärgericht zum Tode verurteilt.
In den Vereinigten Staaten wurden öffentliche Erschießungen unter anderem während des Amerikanischen Bürgerkriegs im 19. Jahrhundert als Abschreckung eingesetzt. Die letzte allgemein öffentliche Hinrichtung in den USA war 1936: Damals wurde im Bundesstaat Kentucky ein Mann vor Tausenden Schaulustigen gehängt. International fanden im vergangenen Jahr nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International mindestens 17 öffentliche Hinrichtungen statt: sechs in Afghanistan und elf im Iran. Hätten die USA ihren Plan durchgezogen, hätte sie das in die Nähe von Staaten gerückt, deren Vorgehensweisen sie an anderer Stelle gerne anprangern.
Schon bevor die Livestream-Pläne bekannt wurden, sorgte die Ankündigung der Hinrichtung für Aufsehen: Falls sie tatsächlich vollzogen wird, wäre es laut dem Death Penalty Information Center die erste Militärhinrichtung in den USA seit 65 Jahren – und die erste Exekution durch ein Erschießungskommando des US-Militärs seit dem Zweiten Weltkrieg. Sollte das Urteil gegen Hasan vollstreckt werden, wäre es US-Medien zufolge auch die erste Hinrichtung auf Bundesebene seit Januar 2021. Damals ließ Trump in den letzten Wochen seiner ersten Amtszeit 13 Häftlinge exekutieren.
Der US-Präsident hatte Hasans Hinrichtung erst vor Kurzem genehmigt – wenige Tage, nachdem im US-Bundesstaat Tennessee ein Hinrichtungsversuch gescheitert war. Der wegen Mordes verurteilten Christa Pike wurden nach Angaben der Behörden zwei Dosen des Mittels Pentobarbital verabreicht, doch sie lebte weiter. Der Fall hat die Debatte um die Todesstrafe in den USA neu entfacht. Laut dem Death Penalty Information Center ist Hasan einer von vier Todeskandidaten im Militärjustizsystem. Er hat noch die Möglichkeit, sein Todesurteil vor Bundesgerichten anzufechten, die keine Militärgerichte sind. Ein solcher Schritt könnte seine Hinrichtung für unbestimmte Zeit aufhalten.
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