Russische Angriffe auf Odessa verletzen mindestens zwei Menschen
Bei einer Serie russischer Angriffe auf die ukrainische Hafenstadt Odessa sind mindestens zwei Menschen verletzt worden. Getroffen wurden Wohnhäuser, eine Produktionshalle und Lagerräume. Unterdessen wurde in Russland der Politologe Alexander Kynew festgenommen, und Präsident Selenskyj bittet um zusätzliche 27 Milliarden Dollar für die Verteidigung.
Bei einer Serie russischer Angriffe auf die ukrainische Hafenstadt Odessa sind mindestens zwei Menschen verletzt worden. Nach Angaben lokaler Medien brachen an mehreren Orten Brände aus, dichte Rauchwolken standen über der Stadt. Der regionale Militärverwalter Oleh Kiper teilte am Abend auf Telegram mit, dass private Wohnhäuser, eine Produktionshalle sowie Lagerräume getroffen wurden. Bereits im Tagesverlauf hatte das russische Militär zweimal einen Baumarkt in der Hafenstadt angegriffen.
Die Angriffe auf Odessa sind Teil der anhaltenden Kampfhandlungen, die seit der großangelegten russischen Invasion im Februar 2022 andauern. Die Hafenstadt im Süden der Ukraine ist immer wieder Ziel russischer Attacken, was auch die zivile Infrastruktur und die Bevölkerung schwer trifft. Die genauen Opferzahlen und das Ausmaß der Schäden waren zunächst unklar.
Unterdessen hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Partnerländer um weitere 27 Milliarden Dollar für die Verteidigung gebeten. Die Verteidigungskosten seien gestiegen, sagte Selenskyj Journalisten über WhatsApp. Die Ukraine müsse im Oktober und November Drohnen bestellen, da sie sonst Anfang nächsten Jahres vor Herausforderungen stehen werde. «Jeder versteht, dass die Ukraine nicht allein sein kann und dass mehr in ukrainische Drohnen und Raketen investiert werden muss», so Selenskyj. Kiew habe die EU gebeten, einen Teil eines Darlehens vorzuziehen, und eine positive Antwort von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erhalten.
In Russland ist wenige Tage nach der Parlamentswahl der unabhängige Politologe Alexander Kynew festgenommen worden. Sein Anwalt bestätigte die Festnahme mehreren russischen Medien und kündigte an, dagegen vorzugehen. Einem Eintrag auf der Webseite eines Moskauer Gerichts zufolge wird ihm vorgeworfen, in großem Umfang illegal Drogen hergestellt, verkauft oder abgesetzt zu haben. Nach Angaben der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass drohen ihm bis zu 20 Jahre Haft. Kynew bestreitet die Vorwürfe. Er ist ein bekannter Politologe, der auf Wahlen und Regionalpolitik in Russland spezialisiert ist und die Duma-Wahl am vergangenen Wochenende intensiv kommentierte. Wann genau er festgenommen wurde, war zunächst unklar. Der letzte Post in seinem Telegram-Kanal erschien am Mittwoch und befasste sich ebenfalls mit der Duma-Wahl.
Der russische Präsident Wladimir Putin hat unterdessen beteuert, dass sich sein Land «nicht auf irgendeine Art von Kampf mit Europa» vorbereite. Viele in Europa erwarteten eine Aggression vonseiten der Russischen Föderation und bereiteten sich deshalb selbst auf Kämpfe vor, sagte Putin am Freitag vor Journalisten in Sankt Petersburg. Er wolle jedoch nochmals unterstreichen, dass Russland keine Vorbereitungen für eine solche Aggression treffe. Putin äußerte sich auch skeptisch zu einer Wiederaufnahme von Verhandlungen für ein Ende des Ukraine-Kriegs. Ansätze für eine «sogenannte Befriedung» lägen auf dem Tisch, aber nach allem, was geschehen sei, werde Russland gründlich nachdenken, was als Reaktion unternommen werden müsse. Die Ukraine kritisierte er insbesondere wegen ihrer Angriffe auf Russland während der Parlamentswahl am vergangenen Wochenende.
Putin und der serbische Präsident Aleksandar Vucic haben in einem Telefonat über den Ukraine-Konflikt und die Zusammenarbeit im Energiesektor gesprochen, wie der Kreml mitteilte. Zudem haben ukrainische Streitkräfte nach eigenen Angaben in einem nächtlichen Angriff die Ölraffinerie Ilsky in der südrussischen Region Krasnodar getroffen. Das Militär in Kiew erklärte, in der Anlage sei ein Brand ausgebrochen.
Die neue russische Staatsduma wird offenbar stark von Personen mit Verbindungen zum Krieg gegen die Ukraine geprägt sein. Das unabhängige russische Exilmedium «Meduza» hat die Biografien der voraussichtlich ins Parlament einziehenden Abgeordneten ausgewertet und bei 148 von ihnen direkte oder indirekte Verbindungen zum Krieg gefunden. Das entspricht etwa einem Drittel der 450 Sitze. Darunter sind 54 künftige Abgeordnete mit unmittelbarer Verbindung zum Krieg, etwa Kommandeure, Militärangehörige und Ärzte. Weitere 94 hätten die Armee finanziert oder ausgerüstet, Soldaten ausgebildet, militärische Infrastruktur unterstützt oder Kriegspropaganda verbreitet. Unter den Gewählten sind zudem Personen, denen ukrainische Behörden Kriegsverbrechen vorwerfen. Die Zahl liegt deutlich über der offiziellen russischen Statistik. Nach Angaben der Vorsitzenden der Zentralen Wahlkommission, Ella Pamfilowa, wurden 46 Teilnehmer und Veteranen der von Moskau sogenannten «militärischen Spezialoperation» in die Duma gewählt. Die Analyse basiert auf der vorläufigen Zusammensetzung der neuen Duma und kann sich noch ändern, falls einzelne Gewählte ihr Mandat nicht annehmen oder andere Ämter übernehmen.
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