Massive Drohnenangriffe auf Moskau und Sankt Petersburg
Russland meldet schwere ukrainische Drohnenangriffe auf Moskau und die Region Sankt Petersburg. In Sankt Petersburg brach ein Brand im Ölhafen aus, der Flugbetrieb wurde eingeschränkt. Präsident Selenskyj beklagt die anhaltende Drosselung des Satelliteninternets Starlink über der Ukraine.
Russland ist nach eigenen Angaben Ziel massiver ukrainischer Drohnenangriffe geworden. Die russische Hauptstadt Moskau und die Region Sankt Petersburg wurden in der Nacht schwer getroffen. Die Behörden meldeten zahlreiche abgeschossene Drohnen und Schäden an Gebäuden und der Infrastruktur.
In Sankt Petersburg löste ein ukrainischer Angriff nach Angaben von Gouverneur Alexander Beglow ein Feuer in einem Öllager aus, das bereits im Juni Ziel eines Angriffs gewesen war. Die Luftverteidigungssysteme seien im Einsatz, schrieb Beglow auf Telegram. Aus Sicherheitsgründen wurde der Betrieb am Flughafen Pulkowo eingeschränkt, Passagiere und Mitarbeiter wurden an sichere Orte gebracht. Auch ein Rechenzentrum sei Ziel von Angriffen geworden. Der Gouverneur der Region Leningrad, Alexander Drosdenko, teilte mit, 126 Drohnen seien abgeschossen worden. Trümmer seien auf Wohnhäuser, Autos und Stromleitungen gestürzt und hätten Stromausfälle verursacht. Ein großangelegter Angriff mit unbemannten Luftfahrzeugen werde weiterhin abgewehrt, so Drosdenko.
Ukrainische Medienberichte, wonach Videos einen Treffer auf einer achtspurigen Brücke in Sankt Petersburg zeigten, bestätigte die russische Seite zunächst nicht. Russland hatte jüngst eine Brücke in der ukrainischen Hauptstadt Kiew getroffen. Das getroffene Rechenzentrum gehört nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Tass der Internetfirma VK, die ein in Russland beliebtes soziales Netzwerk betreibt.
Unterdessen beklagt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die anhaltende Drosselung des militärisch wichtigen Satelliteninternets Starlink über der Ukraine. Tests in europäischen Ländern hätten ergeben, dass die Drosselung nur sein Land betreffe, sagte Selenskyj in Kiew. «Das heißt, es handelt sich um eine geplante Operation», folgerte er. Drohnen, die schneller als 161 Kilometer pro Stunde fliegen, würden weiterhin den Kontakt zu den Starlink-Satelliten verlieren und dann verloren gehen. Dies behindere die ukrainische Armee sowohl bei der Abwehr russischer Jetdrohnen als auch bei eigenen Angriffen auf mittlere Distanzen. Seit Mitte der Woche klagt das ukrainische Militär in einer Phase eskalierender russischer Luftangriffe über die Geschwindigkeitsbegrenzung. Starlink gehört zum Firmenimperium von Elon Musk; die militärisch genutzte Sonderfunktion Starshield wird nach Musks Angaben vom Pentagon kontrolliert. Aussagen von Musk und aus dem Weißen Haus gaben bislang kein klares Bild des Vorgangs.
Bei russischen Luftangriffen auf die Ukraine sind nach Behördenangaben mindestens zwei Menschen getötet worden. In der Stadt Saporischschja im Südosten des Landes wurde nach Angaben der Militärverwaltung eine Frau getötet und eine weitere Frau sowie ein kleines Mädchen verletzt. Zwei Mehrfamilienhäuser, 18 Autos und eine Bildungseinrichtung wurden beschädigt. In der zentralukrainischen Großstadt Poltawa gab es nach Behördenangaben ebenfalls Drohnenangriffe. Eine Frau sei getötet und vier weitere Menschen verletzt worden, teilte Militärverwaltungschef Witalij Djakiwnytsch mit. Neun Wohnhäuser wurden demnach beschädigt, teils durch abgestürzte Drohnentrümmer. In der westukrainischen Region Winnyzja führten russische Drohnenangriffe auf die kritische Infrastruktur zu Stromausfällen. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe setzte das russische Militär insgesamt 180 Kampfdrohnen ein, von denen 152 abgefangen werden konnten. Einschläge habe es an 20 Orten gegeben.
Die baltischen NATO-Staaten reagierten unterdessen auf einen möglichen Luftraumverstoß. Litauen rief die Bewohner im Zentrum und Norden des Landes wegen eines unbekannten Flugobjekts vorübergehend in die Schutzräume. Während der Luftwarnung stiegen NATO-Abfangjäger auf, der Flughafen Kaunas wurde geschlossen. Lettland gab für einige Grenzregionen wegen einer möglichen Bedrohung ebenfalls eine Warnung heraus. In den vergangenen Monaten sind wiederholt ukrainische Drohnen in den Luftraum der baltischen NATO-Staaten eingedrungen. Der Regierung in Kiew zufolge werden sie durch russische Störsender vom Kurs abgebracht. Dies schürt Sorgen vor einer Ausweitung des russischen Krieges in der Ukraine auf das NATO-Gebiet.
In Washington kündigte US-Außenminister Marco Rubio an, Präsident Donald Trump werde die ausgesetzten Sanktionen gegen Russland bis zu 60 Tage lang prüfen. In dieser Zeit sollten die wirtschaftlichen Auswirkungen bewertet werden. Trump selbst erklärte, er habe noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Er hatte die Sanktionen und Zölle am Freitag angesichts hoher Energiepreise ausgesetzt.
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