Israel bereitet nach Angriff bei Hebron Abriegelung des Westjordanlands vor
Nach einem Schusswaffenangriff nahe Hebron mit mehreren Verletzten hat Israels Ministerpräsident Netanjahu die Vorbereitung einer Abriegelung des gesamten Westjordanlands angeordnet. Die Maßnahme fällt in die letzten Tage vor der Parlamentswahl.
Nach einem Schusswaffenangriff nahe der Stadt Hebron im Westjordanland hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu eine Abriegelung des gesamten Palästinensergebiets in Aussicht gestellt. Sein Büro teilte mit, Netanjahu habe die Sicherheitskräfte angewiesen, sich im Laufe des Tages auf die Schließung aller Übergänge vorzubereiten. Zuvor hatte er nach einer Lagebesprechung mit Verteidigungsminister Israel Katz und Generalstabschef Ejal Zamir bereits die Abriegelung der Stadt Hebron angeordnet.
Bei dem Angriff am Morgen wurden nach israelischen Angaben mehrere Israelis verletzt, teils lebensgefährlich. Die beiden mutmaßlich palästinensischen Täter wurden getötet. Netanjahu erklärte, die Sicherheitskräfte hätten dadurch einen «schweren Anschlag» verhindert. Israels Einsatzkräfte führten «umfangreiche Verhaftungswellen» durch. «Wir werden die Hamas-Terroristen und ihre Auftraggeber überall und jederzeit verfolgen», wird der Regierungschef zitiert. Ob die beiden Getöteten Mitglieder der Hamas waren, war zunächst unklar. Israelische Medien berichteten unter Berufung auf Sicherheitskreise, die Männer stammten aus Hebron und seien miteinander verwandt.
Eine Abriegelung des Westjordanlands kurz vor einer Wahl ist nicht ungewöhnlich. Werden die Übergänge geschlossen, können die meisten Palästinenser nicht mehr nach Israel einreisen, etwa zur medizinischen Behandlung oder für Verwandtenbesuche. Für solche Reisen benötigen sie generell eine vorherige Genehmigung. Palästinenser mit Wohnsitz im arabisch geprägten Ost-Jerusalem sollen von einer möglichen Schließung nicht betroffen sein und die Übergänge weiterhin passieren können.
Israel hatte im Sechstagekrieg 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert und hält das Gebiet seither besetzt. Dort leben heute rund 700.000 israelische Siedler unter etwa drei Millionen Palästinensern. Die Lage hat sich seit dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 und dem dadurch ausgelösten Gaza-Krieg weiter verschärft. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden im Westjordanland seitdem mehr als 1.100 Palästinenser bei israelischen Militäreinsätzen, bewaffneten Auseinandersetzungen und eigenen Anschlägen getötet. Auch die Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen Palästinenser hat stark zugenommen.
Die Menschen in Israel sollen in vier Tagen ein neues Parlament wählen. Der Konflikt mit den Palästinensern ist ein wichtiges Wahlkampfthema. Rechte Politiker versuchen, bei ihrer Wählerschaft mit dem Versprechen eines harten Vorgehens gegen palästinensische Gewalt zu punkten. Die zunehmenden Angriffe radikaler israelischer Siedler auf Palästinenser im Westjordanland thematisieren sie dagegen kaum. Laut Umfragen könnte es sowohl für das Lager des amtierenden Ministerpräsidenten Netanjahu als auch für die Opposition schwierig werden, eine Mehrheit zu sichern.
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