Donnerstag, 15. Oktober 2026 Nachrichten im Zusammenhang Über die Zeitung
Güldendorf Suche

Nachrichten

Gewaltsame Proteste in Albanien weiten sich auf weitere Städte aus

In Albanien halten die gewaltsamen Proteste gegen die Regierung und Missstände im Hochschulwesen an. Nach Zusammenstößen in Tirana griffen die Ausschreitungen am Donnerstag auf drei weitere Städte über. Das Parlament vertagte eine Plenarsitzung, Ministerpräsident Rama wertet die Proteste als Werk der Opposition.

Gewaltsame Proteste in Albanien weiten sich auf weitere Städte aus
Unruhen: Proteste gegen Regierung in Albanien weiten sich aus

Die gewaltsamen Proteste junger Menschen gegen Missstände im Hochschulwesen und gegen die Regierung in Albanien dauern an und haben sich auf weitere Städte ausgeweitet. Nach ersten Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstrierenden in der Hauptstadt Tirana griffen die Ausschreitungen am Donnerstag auf drei weitere Städte des EU-Kandidatenlandes über. In Tirana setzte die Polizei erneut Tränengas ein, als Demonstranten versuchten, sich dem Bildungsministerium zu nähern.

In der Stadt Korca warfen Protestierende Medienberichten zufolge Steine und Molotowcocktails auf Schulen. Auch in Durres und Lushnja kam es zu weiteren Protesten. Das Parlament in Tirana vertagte wegen der Gewalt auf den Straßen vorsichtshalber eine für Donnerstag geplante Plenarsitzung auf die kommende Woche. Während der vergangenen zwei Tage wurden in Tirana insgesamt fast 100 Polizisten verletzt und mehr als 100 mutmaßliche Randalierer festgenommen. Im Zentrum der Hauptstadt hatten Randalierer unter anderem eine Bank und Räume einer Universität verwüstet.

Der Zorn der Studierenden richtet sich gegen schlechte Studienbedingungen, hohe Ausbildungskosten und fehlende berufliche Perspektiven. Die Demonstranten fordern aber auch den Rücktritt des sozialistischen Ministerpräsidenten Edi Rama, der seit 2013 in dem Balkanland regiert. Ministerpräsident Rama bezeichnete die Proteste als Werk der Opposition, die verhindern wolle, dass Albanien ein Beitritt in die EU gelinge. Sie versuche mit «Feuern und Eisen», Albanien in den Abgrund zurückzubringen, aus dem alle das Land herausgezogen hätten, erklärte der Sozialist, wie Medien in Tirana berichteten. Von dort aus erklimme man den «historischen Gipfel», den «Traum aller Albaner über Generationen hinweg – die EU».

Der allgemeine Unmut gegen Rama und gegen die gesamte politische Führung hatte sich bereits vor Monaten verstärkt, als bekannt wurde, dass die Regierung ein Immobilien-Projekt in einem Naturschutzgebiet an der albanischen Adriaküste unterstützt, hinter dem Jared Kushner, der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, steht. Die seither täglich laufenden Protestdemonstrationen sind als «Flamingo-Revolution» bekannt, weil in dem Naturschutzgebiet auch Flamingos leben. Viele Bürger des Landes empfinden die politischen Eliten zugleich als gierig, korrupt und inkompetent.

Albanien verhandelt inzwischen relativ fortgeschritten über einen EU-Beitritt. Die anhaltenden Unruhen könnten diese Bestrebungen belasten, zumal die Regierung die Proteste als gezielten Versuch wertet, den Annäherungsprozess an die Europäische Union zu torpedieren. Die Lage in dem Balkanstaat bleibt angespannt, weitere Proteste sind angekündigt.

10Aufrufe

Henrik Falkenberg

Autor

Redakteur vom Dienst

Henrik Falkenberg berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.