Drohnenangriffe im Schwarzen Meer: Elf Seeleute vermisst
Nach Angriffen auf zwei Frachtschiffe vor der bulgarischen Küste gilt ein Schiff als gesunken. Bulgariens Regierungschef macht Russland verantwortlich und kündigt die Einbestellung der russischen Botschafterin an. EU und Nato reagieren.
Bei neuen Drohnenangriffen auf zwei Handelsschiffe im Schwarzen Meer vor der bulgarischen Küste werden elf Besatzungsmitglieder vermisst. Eines der Schiffe sei gesunken, teilten die bulgarischen Behörden mit. Das betroffene Schiff fuhr unter der Flagge Guinea-Bissaus. Fünf Besatzungsmitglieder konnten nach offiziellen Angaben gerettet werden, nach elf weiteren wird gesucht.
Ein weiteres Frachtschiff, die unter maltesischer Flagge fahrende und der Ukraine gehörende «Chelsea 3», wurde nach Angaben der Crew von drei Drohnen aus der Luft getroffen. Die 15-köpfige Besatzung – sieben Ukrainer und acht Aserbaidschaner – konnte gerettet werden. Bulgariens Ministerpräsident Rumen Radew erklärte, um 01.30 Uhr in der Nacht sei ein erstes Signal über ein in Seenot geratenes Schiff empfangen worden.
Radew machte Moskau für die Vorfälle verantwortlich. Zwar fehlten eindeutige Beweise, doch lege die Logik nahe, dass die Angriffe Russland zugute kämen, schrieb er auf Facebook. Er kündigte an, die russische Botschafterin einbestellen zu lassen. Bei ähnlichen Angriffen in der vergangenen Woche hatte Radew eine direkte Zuschreibung noch vermieden.
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha machte Russland ebenfalls für die Angriffe verantwortlich. «Das Schwarze Meer ist eine Lebensader für die globale Ernährungssicherheit», schrieb er im Onlinedienst X mit Blick auf die Bedeutung der Region für die Getreideexporte. Russland greife es an, um Hunger als Waffe einzusetzen und die Welt als Geisel zu halten. Sybiha rief dazu auf, den Druck auf Russland zu erhöhen.
Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verurteilte die jüngsten Drohnenangriffe auf Handelsschiffe vor der bulgarischen Küste aufs Schärfste. Es sei inakzeptabel, dass das Schwarze Meer zu einer weiteren Front in der Eskalation des russischen Krieges in der Ukraine geworden sei, schrieb sie auf X. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden.
Nato-Generalsekretär Mark Rutte kündigte an, das Bündnis werde die Sicherheitslage weiter beobachten und seine Abschreckungs- und Verteidigungsstellung bei Bedarf anpassen. Die Nato werde eng mit den Verbündeten im Schwarzen Meer zusammenarbeiten, erklärte er im Onlinedienst X.
Bereits in der vergangenen Woche waren bei einem Drohnenangriff vor der bulgarischen Küste zwei Handelsschiffe getroffen worden. Eines der Schiffe sank, die gesamte Besatzung gilt seither als vermisst. Auf dem zweiten Schiff brach nach Angaben der bulgarischen Behörden ein Feuer aus, die 18-köpfige Crew konnte jedoch in Sicherheit gebracht werden. Radew verurteilte diesen Angriff als eklatanten Verstoß gegen das Seerecht und die Regeln der Schifffahrt. Wer die Drohnen abgefeuert hatte, konnten die Behörden zunächst nicht klären.
Einen Tag zuvor hatte ein Schiff vor der rumänischen Küste Feuer gefangen. Ein Mensch starb, ein weiterer gilt als vermisst. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wurde das Schiff von russischen Drohnen getroffen.
Infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine ist das Schwarze Meer immer wieder Schauplatz von Drohnenvorfällen. Die türkische Handelskammer für Seefahrt (IMEAK) hatte im August erklärt, dass seit Beginn des Krieges vor mehr als viereinhalb Jahren 226 zivile und Handelsschiffe im Schwarzen Meer angegriffen worden seien, der Großteil davon in diesem Jahr. Die jüngsten Vorfälle dürften die Diskussion über die Sicherheit der Schifffahrtsrouten und den Schutz ziviler Schiffe weiter verschärfen.
6
