Streamer bedrängt «Heute-Show»-Reporter im Magdeburger Landtag
Ein Filmer des Kanals «Deutschland Kurier» hat den «Heute-Show»-Reporter Fabian Köster im Landtag von Sachsen-Anhalt bedrängt und nach dessen Bezahlung gefragt. Die Landtagsverwaltung prüft den Vorfall und kündigt strengere Regeln an, der Deutsche Journalisten-Verband spricht von Einschüchterung.
Ein Filmer des Kanals «Deutschland Kurier» hat den «Heute-Show»-Reporter Fabian Köster im Landtag von Sachsen-Anhalt in Magdeburg bedrängt. Nach Angaben aus dem Umfeld des Landtags forderte der Streamer den Journalisten unter anderem mit der Frage «Wollen Sie uns verraten, wie viel Geld Sie bekommen?» auf, Auskunft über seine Bezahlung zu geben. Die Landtagsverwaltung hat den Vorfall inzwischen bestätigt und eine Prüfung eingeleitet.
Der Vorfall ereignete sich im Gebäude des Landtags, also an einem Ort, der für die Berichterstattung über die Landespolitik und für Begegnungen zwischen Abgeordneten, Journalisten und Bürgern gleichermaßen vorgesehen ist. Köster ist als Reporter der ZDF-Satiresendung «heute show» bekannt, die regelmäßig über politische Ereignisse und Wahlkämpfe berichtet. Der Kanal «Deutschland Kurier» tritt nach bisherigen Erkenntnissen als eigenständiges Videoformat auf, dessen Vertreter politische Veranstaltungen filmen und dabei auch Journalisten anderer Medien konfrontieren.
Die Landtagsverwaltung kündigte nach der Prüfung an, die Regeln für die Nutzung des Gebäudes zu verschärfen. Wie diese Regeln im Einzelnen aussehen sollen, ist bislang nicht vollständig bekannt. Klar ist jedoch, dass die Verwaltung den Vorgang nicht als bloßen Zwischenfall abtun will, sondern Konsequenzen für den Zugang und das Verhalten von Filmteams im Landtag prüft. Damit reagiert sie auf eine Entwicklung, die in den vergangenen Jahren in mehreren Landtagen und bei öffentlichen Veranstaltungen zu beobachten war: die zunehmende Präsenz von Streamern und alternativen Videoanbietern, die politische Ereignisse filmen und dabei oft gezielt die Konfrontation mit etablierten Medien suchen.
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat den Vorfall scharf kritisiert. Der Verband wirft dem Streamer vor, den «heute show»-Reporter eingeschüchtert zu haben. In der Debatte um den Umgang mit solchen Formaten geht es auch um die Frage, wie weit die Freiheit reicht, öffentliche Veranstaltungen zu filmen, und wo die Grenze zur Behinderung journalistischer Arbeit beginnt. Der DJV sieht in dem Fall einen Angriff auf die Pressefreiheit und auf die Möglichkeit von Journalisten, ihre Arbeit ohne Druck und ohne gezielte Befragungen zur eigenen Bezahlung auszuüben.
Für die Landtagsverwaltung in Magdeburg stellt sich nun die Aufgabe, den Zugang zum Gebäude so zu regeln, dass die Berichterstattung möglich bleibt und zugleich die Arbeit der Abgeordneten und der anwesenden Medienvertreter geschützt wird. Ob und in welcher Form der Streamer des Kanals «Deutschland Kurier» künftig noch Zutritt zum Landtag erhält, ist offen. Die Prüfung des Vorfalls läuft, konkrete Sanktionen wurden bislang nicht genannt.
Der Fall verweist auf eine breitere gesellschaftliche Debatte über den Umgang mit politischen Inhalten in sozialen Netzwerken und über das Verhältnis zwischen etablierten Medien und neuen Videoformaten. Gerade in Wahlkampfzeiten treffen beide Seiten häufig aufeinander. Journalistenverbände fordern seit Längerem klare Regeln für die Arbeit von Filmteams bei öffentlichen Terminen, während die Betreiber alternativer Kanäle für sich in Anspruch nehmen, ebenfalls journalistisch zu arbeiten. Eine einheitliche Lösung ist nicht in Sicht.
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