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Nach Tod von Maricarmen Abascal: Zehntausende protestieren in Spanien gegen Wohnungsnot

Der Tod einer 87-Jährigen nach ihrer Zwangsräumung hat in Spanien eine landesweite Protestwelle ausgelöst. In Madrid gingen mindestens 20.000 Menschen auf die Straße, ein Generalstreik und Neuwahlen sind angekündigt.

Nach Tod von Maricarmen Abascal: Zehntausende protestieren in Spanien gegen Wohnungsnot
Fall Maricarmen: Nach Seniorin-Tod neue Proteste gegen Wohnkrise in Spanien

Der Tod der 87-jährigen Maricarmen Abascal, die nur zwei Wochen nach ihrer Zwangsräumung starb, hat in Spanien erneut Zehntausende Menschen auf die Straße gebracht. In Madrid marschierten die Demonstranten am Abend von einem Protestcamp auf der Puerta del Sol zur einstigen Wohnung der Rentnerin im Stadtteil Retiro. Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl allein in der Hauptstadt auf mindestens 20.000. Gedenkmärsche gab es auch in vielen anderen Städten des Landes.

Die Menschen skandierten Parolen wie «Geier raus aus unseren Vierteln!» und «Wir alle sind Maricarmen!». Vor dem langjährigen Wohnhaus der Seniorin und auf dem Protestcamp zündeten Teilnehmer Kerzen an, legten Blumen nieder und hinterließen schriftliche Beileidsbekundungen. Vor TV-Kameras äußerten viele ihre Bestürzung und Empörung. «Der Fall Maricarmen» ist landesweit zum Symbol des Kampfes für bezahlbaren Wohnraum geworden.

Die Seniorin war erst vor zwei Wochen unter Polizeieinsatz aus der Wohnung geholt worden, in der sie seit gut 70 Jahren gelebt hatte. Unmittelbar nach der Zwangsräumung war sie am 23. September ins Krankenhaus eingeliefert worden. Kurz vor ihrem Tod war eine Vereinbarung erzielt worden, die ihr die Rückkehr in die Wohnung ermöglicht hätte. Dazu kam es nicht mehr. Am Mittwoch starb sie völlig unerwartet. Ihr Tod macht sie für viele zu einer Märtyrerin. «Die Immobilienspekulanten haben Maricarmen umgebracht», sagte die Sprecherin des spanischen Mieterverbandes, Alicia del Río, im spanischen Fernsehen.

Die Zwangsräumung der Rentnerin hatte umgehend riesige Empörung und eine landesweite Protestbewegung ausgelöst. Seitdem gibt es immer wieder Demonstrationen mit Zehntausenden Teilnehmern. In Madrid und auch andernorts entstanden Protestcamps. Für den 11. November ist inzwischen ein landesweiter Generalstreik für bezahlbares Wohnen angekündigt.

Kurz nach der Todesnachricht waren am Mittwochabend bereits Hunderte Menschen spontan zum Parlamentsgebäude gezogen. Dort waren am vergangenen Freitag Regierungsdekrete der linken Regierung für mehr Mieterschutz an der Mehrheit konservativer und rechtspopulistischer Parteien gescheitert. Der sozialistische Ministerpräsident Pedro Sánchez setzte daraufhin für den 29. November eine vorgezogene Parlamentswahl an.

Die Wohnungsnot gehört zu den drängendsten sozialen Problemen Spaniens. In vielen Städten sind die Mieten stark gestiegen, bezahlbarer Wohnraum wird immer knapper. Die spanische Zentralbank schätzte das Wohnungsdefizit im ganzen Land zuletzt auf insgesamt circa 750.000 Einheiten. Ein Ende des Unmuts ist nicht in Sicht.

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Henrik Falkenberg

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Redakteur vom Dienst

Henrik Falkenberg berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.