Kieler «Tatort» startet mit neuem Ermittlerteam neu durch
Nach dem Abschied von Axel Milberg als Klaus Borowski hat der Kieler «Tatort» mit «Unter Feinden» seinen Neustart fortgesetzt. Das neue Team um Mila Şahin und Polizeipsychologin Elli Krieger setzt auf ein jüngeres Publikum und eine andere Erzählweise.
Der Kieler «Tatort» hat sich nach dem Ausstieg von Axel Milberg als Klaus Borowski neu aufgestellt. Am Sonntagabend lief mit «Unter Feinden» der zweite Teil des Neustarts im Ersten. Im Mittelpunkt stand Hauptkommissarin Mila Şahin, gespielt von Almila Bagriacik, die den Tod ihrer besten Freundin und Kollegin Anna Nowak aufklären musste. Der Fall führte sie in ein Milieu aus Drogenmissbrauch, Wirtschaftskriminalität, Mafia und Korruption. An ihrer Seite ermittelte erstmals Polizeipsychologin Elli Krieger, dargestellt von Karoline Schuch. Bereits eine Woche zuvor war der erste Teil «Unter Freunden» ausgestrahlt worden.
Die Nachfolge von Borowski ist eine Herausforderung. 22 Jahre lang ermittelte Axel Milberg in 44 Fällen in Kiel. Bagriacik stand ihm seit 2018 zur Seite, musste sich aber wie zuvor Maren Eggert und Sibel Kekilli dem übermächtigen Kommissar unterordnen. Borowski prägte den Kieler «Tatort» mit seiner eigenbrötlerischen und bedächtigen Art. Besonders die Folge «Borowski und der stille Gast» mit Lars Eidinger gilt als eine der bekanntesten und beliebtesten «Tatort»-Folgen überhaupt. Auch der Abschied im März 2025 fiel erfolgreich aus: «Borowski und das Haupt der Medusa» erreichte im Schnitt 8,806 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 31,4 Prozent – der höchste Wert für einen Borowski-Fall in 22 Jahren. Kurz zuvor war der Film mit dem Deutschen Fernsehkrimipreis 2025 ausgezeichnet worden. Ein dramatischer Tod blieb Borowski erspart.
Der Auftakt der neuen Ära konnte an diese Werte nicht ganz anknüpfen, war aber dennoch ein Erfolg. «Unter Freunden» sahen am 11. Oktober 7,18 Millionen Menschen, der Marktanteil lag bei 30,0 Prozent – die meistgesehene Sendung im deutschen Fernsehen an diesem Abend. «Uns war allen klar, dass keiner Borowski ersetzen oder an seine Stelle treten kann», sagte Almila Bagriacik im NDR-Interview. Deshalb tragen die neuen Filme auch nicht den Titel «Şahin und...», um sich von der alten Borowski-Manier abzugrenzen. Regisseur Lars Kraume, der auch den letzten Borowski-Fall inszenierte, erklärte: «Wenn wir ein neues Team um zwei jüngere Ermittlerinnen etablieren wollen, müssen wir auch eine ganz andere Welt erzählen.» Şahin solle «mit einem ganz anderen Selbstbewusstsein und einer ganz anderen Lautstärke» auftreten und damit besonders «ein junges Publikum» ansprechen.
Nicht nur die Ermittlerin hat sich verändert, auch die Stadt Kiel erscheint in neuem Licht. Kraume inszeniert die «nordische Metropole» bewusst als Großstadt, in der Mafia und Schwarzgeld glaubhaft wirken – angelehnt an Vorbilder wie «Miami Vice». Dadurch wirke die Stadt «vielleicht sogar ein bisschen größer, als sie sich vor Ort eigentlich präsentiert». Zur neuen Ausrichtung trägt auch die Konstellation mit einer Polizeipsychologin bei. «Polizeiarbeit besteht heute längst nicht mehr allein aus Spurensicherung, Vernehmungen und klassischer Ermittlungsarbeit», begründete NDR-Programmdirektor Frank Beckmann. Das Team wird von der Hamburger Kriminalpsychologin Claudia Brockmann beraten. Schuch, selbst Diplompsychologin, sieht darin die Chance, «ein gewisses Alleinstellungsmerkmal in der Landschaft der vielen Kriminalfilme zu schaffen». Konflikte seien programmiert, «weil die eine Kraft sehr schnell voranschreiten möchte und die andere Kraft sagt: Jetzt warte doch mal».
Die Autoren Katharina Adler und Rudi Gaul wollten ausdrücklich ein Team, bei dem offenbleibt, ob es harmonisch zusammenwächst. Im ersten Teil waren sich Şahin und Krieger noch nicht ganz grün, im zweiten Teil rücken sie durch eine Extremsituation enger zusammen. Am Ende deutet vieles darauf hin, dass Krieger als Kriminalpsychologin in die Mordkommission wechselt – auf persönliche Anfrage von Şahin. Vier weitere Kieler Fälle sind bereits gedreht oder in Arbeit. Der Bruch mit der Vergangenheit ist gewollt und spürbar: Borowski wird kein einziges Mal erwähnt. Kriminalrat Roland Schladitz, gespielt von Thomas Kügel, verabschiedet sich mit «Unter Freunden/Unter Feinden» selbst aus dem Dienst.
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