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Alice Schwarzer stellt feministisches Magazin «Emma» nach 50 Jahren ein

Die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer beendet ihr Magazin «Emma» mit der Ausgabe vom 8. Dezember. Wirtschaftliche Gründe seien nicht ausschlaggebend, betont die 83-Jährige. Das Archiv geht an das Deutsche Literaturarchiv Marbach.

Alice Schwarzer stellt feministisches Magazin «Emma» nach 50 Jahren ein
Feministisches Magazin: Alice Schwarzer stellt „Emma“ nach 50 Jahren ein

Alice Schwarzer stellt ihr feministisches Magazin «Emma» nach knapp 50 Jahren ein. Die Ausgabe vom 8. Dezember werde die letzte sein, teilte die 83-jährige Frauenrechtlerin der Deutschen Presse-Agentur in Köln mit. Wirtschaftliche Gründe seien für die Entscheidung nicht ausschlaggebend, betonte Schwarzer in einer Erklärung: «Sicher, auch unsere Auflage sinkt. Aber unsere Einnahmen decken immer noch die Ausgaben.» Der Grund für das Ende sei ein anderer: «Nein, wir gehen, weil wir meinen: Es reicht!»

Die Zeitschrift war am 26. Januar 1977 zum ersten Mal erschienen. Schwarzer beschreibt das Motiv für die Gründung rückblickend mit der Frauenfeindlichkeit der von Feministinnen so genannten «Männermedien». Diese habe sie zu der Überzeugung gebracht, dass Journalistinnen ein eigenes Magazin und eine eigene Stimme brauchten. Über drei Generationen hinweg habe «Emma» die Stellung gehalten und «gegen so manchen Unsinn im Namen des Feminismus» Position bezogen, erklärte Schwarzer. Nun gelte: «Also gestattet: Jetzt sind wir ermattet.»

Schwarzer gilt als Deutschlands bekannteste Feministin. In den vergangenen Jahren stand sie jedoch auch selbst im Zentrum von Kontroversen. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 sprach sie sich, teils gemeinsam mit Sahra Wagenknecht, wiederholt für schnelle Friedensverhandlungen mit Russland aus. Kritiker warfen ihr vor, aus dem Blick zu verlieren, wer in diesem Krieg der Aggressor und wer das angegriffene Land sei. 2024 räumte Schwarzer ein, dass ihre Haltung zum Ukraine-Krieg Folgen für die Abonnentinnenzahl der «Emma» hatte. Zwar habe es für den Friedenskurs des Magazins 2023 viel Zustimmung von Leserinnen gegeben, «aber immerhin jede fünfte Leserin hat aus Protest ihr Abonnement gekündigt». Das tue weh, sie lasse sich davon aber nicht einschüchtern.

Proteste gab es auch wegen ihrer Haltung zu Transpersonen. 2023 forderten 33 Autorinnen und Künstler die Absage einer Veranstaltung mit Schwarzer beim Literarischen Herbst in Leipzig, weil sie durch «transfeindliche, rassistische und misogyne Aussagen und Publikationen» auffalle. Schwarzer wies die Vorwürfe empört zurück und versicherte, sie habe Transsexuelle noch nie angegriffen. Kritisch sehe sie jedoch «die neue Transideologie, die das Recht auf den Personenstandswechsel ab dem 14. Lebensjahr und auf gefährliche Hormonbehandlungen und Operationen für alle fordert». Es müsse möglich sein, diese Meinung zu vertreten, ohne aus dem öffentlichen Diskurs ausgeschlossen zu werden.

Immer wieder war auch die Frage aufgekommen, ob Schwarzer die Leitung der im Zweimonatsrhythmus erscheinenden «Emma» nicht in jüngere Hände geben müsse. 2008 übernahm die Journalistin Lisa Ortgies tatsächlich die Chefredaktion, doch schon nach kurzer Zeit kam es zum Zerwürfnis, und Schwarzer nahm das Heft wieder selbst in die Hand. In der am 27. Oktober erscheinenden vorletzten Ausgabe versichert sie, sie habe durchaus versucht, «weitere Kolleginnen in unserem Geiste» zu finden, immer wieder auch eine potenzielle Chefredakteurin. Es habe Journalistinnen gegeben, die dafür infrage gekommen wären, doch hätten diese andere Medien bevorzugt. Begründung: «Da weht der Wind von außen nicht ganz so rau.»

Die Redaktion der «Emma» war zunächst am Kolpingplatz in der Kölner Innenstadt untergebracht, später zog sie in den mittelalterlichen Bayenturm im Kölner Rheinauhafen um. Dort arbeitete Schwarzer unter einem Bild der französischen Philosophin und Frauenrechtlerin Simone de Beauvoir, die ihr in den 1960er-Jahren den Weg gewiesen hatte. Heute sei vielfach kaum noch bekannt, was Frauen damals durchlitten und sich mühsam erkämpft hätten, so Schwarzer. In Vergessenheit geraten sei aber auch, wie frei Frauen damals gewesen seien: «Das waren Jahre des Aufbruchs, des Übermuts! Wir haben ja nicht nur gekämpft, wir haben auch gefeiert und getanzt.»

2017 hatte Schwarzer die Zukunft von «Emma» beim 40-jährigen Jubiläum noch optimistisch eingeschätzt. Feministische Themen seien wieder gefragter als zehn Jahre zuvor, sagte sie damals. «Man hat in den 90ern geglaubt, man hätte schon alles erreicht. Und jetzt sehen wir: So schnell geht das nicht.» Nun betont sie, «Emma» habe Deutschland in einem halben Jahrhundert ein Stück verändert. Der sexuelle Missbrauch von Kindern und der Islamismus seien zwei Themen gewesen, über die das Magazin lange «quasi alleine» berichtet habe, 1978 und 1979, lange vor anderen Medien. Auf weitere Themen wie das Ehegattensplitting, Brustkrebs oder Genitalverstümmelung seien die Medien oft erst durch «Emma» aufmerksam geworden. Zuletzt sei das Heft das «weltweit letzte und einzige professionelle Publikumsmagazin am Kiosk in Feministinnenhand» gewesen.

Einen Trost gibt es für die Leserinnen: Das «Emma»-Archiv mit Kisten und Kartons, Korrespondenzen und Kampagnen wird vollständig in den Bestand des Deutschen Literaturarchivs Marbach aufgenommen und dort Interessierten erschlossen. Damit werde «Emma» letztlich «in die Ewigkeit gehen», so Schwarzer.

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Florian Lorenz

Autor

Sportredakteur

Florian Lorenz berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.