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Abdel-Samad verteidigt Leben in Beirut gegen deutschen Polizeischutz

Der Religionskritiker Hamed Abdel-Samad erklärt, warum er Deutschland verlassen hat und in Beirut freier lebt. In seinem neuen Buch warnt er zugleich vor dem Aufstieg religiöser Fanatiker in der Weltpolitik.

Abdel-Samad verteidigt Leben in Beirut gegen deutschen Polizeischutz
Hamed Abdel-Samad: »Ich bin nach Beirut gegangen, weil ich dort freier leben kann als in Deutschland«

Der deutsch-ägyptische Religionskritiker Hamed Abdel-Samad hat sein Leben in Deutschland aufgegeben und ist nach Beirut gezogen. In einem Interview begründet er diesen Schritt damit, dass er im Libanon freier leben könne als hierzulande. Abdel-Samad steht seit Jahren unter Polizeischutz, weil er mit seinen Thesen zu Religion und Islam immer wieder Drohungen ausgesetzt ist. In Deutschland habe sich sein Alltag zunehmend zu einem Leben in Abhängigkeit von Sicherheitsvorkehrungen entwickelt, so seine Darstellung.

Zugleich legt Abdel-Samad ein neues Buch vor, das erneut provokante Thesen enthält. Diesmal richtet sich sein Blick nicht nur auf religiöse Fragen im engeren Sinne, sondern auch auf den Aufstieg verschiedener religiöser Fanatiker in der Weltpolitik. Der Autor sieht eine Entwicklung, in der religiös begründete Radikalität zunehmend politische Macht erlangt und demokratische Ordnungen unter Druck setzt. Sein Buch versteht sich als Warnung vor dieser Verschränkung von Religion und Politik.

Die Entscheidung für Beirut ist insofern bemerkenswert, als der Libanon selbst von politischen und religiösen Spannungen geprägt ist. Abdel-Samad argumentiert jedoch, dass er dort weniger staatlicher Bevormundung ausgesetzt sei und seine Positionen offener vertreten könne. Für ihn bedeutet Freiheit offenbar nicht in erster Linie Sicherheit, sondern die Möglichkeit, unbehelligt zu publizieren und öffentlich aufzutreten. In Deutschland habe ihn der dauerhafte Schutzstatus in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt.

Der Fall berührt eine grundsätzliche Debatte über den Umgang mit Religionskritik und die Grenzen der Meinungsfreiheit. Abdel-Samad gehört seit vielen Jahren zu den bekanntesten Stimmen, die den politischen Islam kritisieren. Seine Bücher erreichen ein breites Publikum, seine Auftritte sorgen regelmäßig für Kontroversen. Dass ein solcher Autor Deutschland den Rücken kehrt, wirft Fragen auf: Wie viel Schutz braucht und wie viel Freiheit verträgt eine offene Gesellschaft im Umgang mit provokanten Positionen?

In seinem neuen Werk verbindet Abdel-Samad persönliche Erfahrungen mit einer globalen Analyse. Er beschreibt, wie religiöse Eiferer in verschiedenen Ländern politische Verantwortung übernehmen oder Einfluss auf Regierungen gewinnen. Diese Entwicklung sei keine Randerscheinung, sondern ein Muster, das sich über Regionen und Religionen hinweg beobachten lasse. Der Autor warnt davor, diese Verschiebungen zu unterschätzen, weil sie schleichend verlaufen und oft erst spät öffentlich thematisiert würden.

Mit seinem Umzug nach Beirut setzt Abdel-Samad ein Zeichen, das über die persönliche Lebensentscheidung hinausweist. Er beansprucht für sich eine Freiheit, die er in Deutschland nicht mehr gegeben sieht. Ob dieser Schritt dauerhaft Bestand hat, ist offen. Klar ist, dass der Autor seine publizistische Arbeit fortsetzen will, nun von einem Ort aus, den er als freier empfindet. Seine Kritiker werden ihm vorwerfen, die Verhältnisse im Libanon zu verklären. Seine Anhänger dürften darin eine konsequente Haltung sehen.

Für die deutsche Öffentlichkeit bleibt die Frage, wie sie mit Autoren umgeht, die unter Bedrohung stehen und sich zugleich gegen die Bedingungen ihrer Sicherheit entscheiden. Abdel-Samads Schritt ist auch ein Kommentar zu diesem Dilemma. Er zeigt, dass Schutz und Freiheit nicht immer zusammengehen und dass die Entscheidung für das eine das andere einschränken kann. Der Autor hat sich für die Freiheit entschieden und nimmt dafür in Kauf, in einem Land zu leben, das selbst erhebliche Unsicherheiten birgt.

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Helena Beckmann

Autor

Kulturkorrespondentin

Helena Beckmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.